Oahu, Hawaii

Juli 6, 2009 at 11:20 am (Allgemein)

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Meine Reisen

Reisezeit: November 2001

Reiseort: Oahu, Hawaii

Reiselänge: 7 Tage

Reiseart: Hotelaufenthalt in Honolulu mit Ausflügen auf Oahu

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Vorwort

Als ich fünfzehn Jahre alt war, stieg ich alleine in ein Flugzeug und flog nach Hawaii. Es ist schön diesen Satz in meiner Biographie stehen zu haben und sein Wert wird umso größer, desto mehr Jahre zwischen dem Heute und dieser meiner frühen Reise liegen. Am Tag, da ich dies schreibe, ist es fast acht Jahre her, dass ich die Inselwelt Hawaiis besuchte. Ich fand in den letzten Wochen Gelegenheit, die alten Bilder und Videoaufzeichnungen, die mir noch von jener Reise geblieben sind, zusammenzusuchen und zu betrachten. Aus dreistündigem rohem Filmmaterial von teils recht verwackeltem Inhalt schnitzte ich mir einen kurzen Hawaii-Erinnerungs-Film zurecht. Dabei wurden viele Erinnerungen geweckt. Mit gemischten Gefühlen blicke ich nun also zurück auf jene Reise und versuche auch in Worten darzulegen, woran ich mich erinnern kann. Dieser Text soll keine chronologische Auflistung der Orte sein, die ich dort besucht und besichtigt habe. Vielmehr möchte ich prägende, persönlichkeitsbildende Momente in den Vordergrund stellen und meiner Schilderung auf diese Weise ein wenig Leben einhauchen. Ich möchte erzählen, wie Natur und Kultur jener polynesisch, US-amerikanisch und japanisch geprägten Inselwelt im Pazifik auf mich gewirkt haben. Leider war es mir damals noch nicht möglich diese sich von außen anbietenden Eindrücke in ihrer vollen Tiefe und Eigentlichkeit zu erfahren. Zum einen hemmte mich die doch recht starre, programmartige Struktur jener Reise, zum anderen freilich meine Jugend. Obwohl sich in meinen Aufzeichnungen aus der damaligen Zeit schon zahlreiche tiefschürfende Reflexionen und Betrachtungen finden, so fehlte es mir damals noch an der Fähigkeit der ganzheitlichen Zusammenschau der einzelnen Lebensaspekte, die nötig gewesen wäre um all das aufzunehmen, was mein Umfeld mir bot. Reisen ist schließlich eine Kunst die gelernt sein will und damals war ich blutiger Anfänger. Dennoch hat meine Zeit in Hawaii in mir unvergessliche Eindrücke hinterlassen, von welchen ich nun erzählen möchte.

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Anreise

Es war Mitte November 2001. Ich befand mich nun schon circa drei Monate in den Vereinigten Staaten. Der 11. September hatte die Welt erschüttert und ich durfte hautnah miterleben, wie dieses Ereignis in Amerika rezipiert wurde. Der Highschool- und Farmalltag bestimmten mein Leben und meine Gedanken. Ich lernte Chemie, las amerikanische Literatur, ritt über die Prärie, jagte Hasen und schlachtete Hühner. So neu all dies anfangs für mich auch gewesen war, so schnell wurde es doch zur Routine, zum gemächlichen Strom meines Alltags in Amerika. Doch dieser sollte nun Mitte November jäh unterbrochen werden von einer großen Reise an einen exotischen Ort. Schon lange hatte ich mich darauf gefreut. Und endlich war es soweit.

Matt brachte mich zum Dallas/Fort-Worth Airport, wo ich ihm vor drei Monaten zum ersten Mal begegnet war. Nach dem Einchecken genoss ich es einmal wieder so richtig auf mich allein gestellt zu sein. Bei Espresso und Croissant – daran erinnere ich mich seltsamerweise genau – freute ich mich auf vielversprechende sieben Tage in der Ferne und wartete auf den Abflug. Der siebenstündige Hinflug erstreckte sich vom frühen Vormittag bis zum späten Nachmittag. Es herrschte also Tageslicht und ich konnte während der ersten beiden Flugstunden von meinem Fensterplatz aus die Aussicht hinab auf den Westen der Vereinigten Staaten genießen. Ohne meinen mitgebrachten Lesestoff je anzurühren, widmete ich meine Aufmerksamkeit dem Fenster. Mein Blick reichte durch das Glas hindurch an den Flugzeugtragflächen vorbei hinab auf das weite Land. Wie immer genoss ich es zu fliegen. Ich sah unter mir die riesigen rostroten Ebenen von New Mexico und Arizona. Gelegentlich waren Ortschaften und Straßen auszumachen. Vor allem aber gab es sehr viel leeres, unberührtes Land. Würde ich irgendwann in meinem Leben auch jene Regionen dort unter mir bereisen? Bald flog ich über Kalifornien und plötzlich war das Land zu Ende. Unter mir herrschte nur noch das endlose Blau des Pazifiks, des größten und tiefsten Ozeans der Erde. Und in seiner Mitte lag mein Ziel, die Vulkaninselgruppe von Hawaii, seit 1959 der 50. Bundestaat der USA.

Stunden später landete ich am Flughafen von Honolulu, der Hauptstadt, welche auf der Insel Oahu gelegen ist. Es ist dies nicht die größte der Hawaiiinseln, doch sozial und wirtschaftlich mit Abstand die bedeutendste.

Es ist für mich jedesmal ein spannender Moment, wenn ich an einem fremden Ort mit einem Flugzeug lande und beim Verlassen der Maschine die Luft des Umfelds zum ersten Mal tief einatme. Ist die Luft schwer und drückend? Riecht sie vorwiegend nach Abgasen? Auf Oahu war die Luft damals recht leicht und roch süßlich. Über der ganzen Insel schien ein gewisses natürliches Parfum zu liegen, das man sonst nicht kannte. Leider gewöhnte ich mich schnell daran und nahm es bald nicht mehr wahr.

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Mitten im Pazifik

Eine Weile langt irrte ich ein wenig ziellos am Flughafen von Honolulu umher. Dann fand ich Pauline Pipkins und ihren Mann Jo, welche die Organisatoren und Betreuer dieser Reise waren, die in den ganzen Staaten für Austauschschüler angeboten wurde. In jenem November waren wir insgesamt zu fünft und lernten uns damals am Flughafen rasch kennen. Da waren Kai, Christian und Ulrike aus Deutschland, Maria Ana aus Kolumbien und ich selbst. Allesamt verbrachten wir fünf oder zehn Monate in Amerika und waren weit über die Staaten verstreut. Wenn ich mich recht erinnere, lebte Kai im Staat New York und Maria Ana in Ohio. Bei den anderen weiß ich es nicht mehr. Natürlich hatte man einander viel zu erzählen.

Dieser erste Tag brachte neben ein paar Impressionen von Honolulu auf der Fahrt zum Hotel und einem netten Kennenlern-Essen in der Stadt auch noch ein paar schöne Stunden zur freien Verfügung. Am späten Abend machten wir zu fünft die Touristenviertel von Honolulu unsicher. Ich probierte gleich die ungewöhnlich große Zeitverschiebung aus und rief per Telefon das 11 Stunden spätere Österreich an. Dort war nun längst morgen. Gemeinsam mit den anderen suchte ich dann spät nachts auch noch das Meer auf. Der berühmte Strand von Waikiki enthüllte sich als dünner Sandstreifen zwischen Wasser und der Hochhausphalanx der Hotels. Dennoch war es schön. Im Norden konnte man die Halbinsel von Diamond Head mit ihrem faltigen Hügeln sehen, hinter denen sich ein alter Vulkankrater versteckt. Ich glaube mich zu erinnern, dass der Mond damals am Himmel stand. Da es mir damals recht bedeutsam schien, ließ ich von Kai meine erste Berührung mit dem Pazifik filmen. Schon damals mochte ich diese kleinen Momente des intensiven Erlebens meines Umfelds, denen manch andere nicht viel Bedeutung beimessen. Immerhin: der größte Ozean der Erde, im Umkreis von Tausenden von Kilometern fast nichts als Wasser. Und ich befand mich mitten drin. Das reichte mir für einen Augenblick des Staunens, welcher festgehalten werden sollte. Ich berührte den Pazifik und machte mir dabei die Schuhe nass.

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Pearl Harbor

Unser Hotel befand sich ziemlich nahe am Strand. Schnell war man in den Touristenvierteln, schnell war man auch beim Busbahnhof. Von dort brachte uns am nächsten Morgen ein Bus zum nahegelegenen Erinnerungspark von Pearl Harbour. Ein Großteil des Hafens ist natürlich immer noch in Betrieb. Es lagen einige moderne Kriegsschiffe vor Anker. Unterhalb der Wasseroberfläche konnte man das Wrack eines beim Angriff von 1941 versenkten Schiffes sehen. Im eher idyllischen Erinnerungspark standen zahlreiche Gedenktafeln für die im zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten. Informationstafeln beschrieben die Ereignisse des Dezembers 1941, als eine Schar japanischer Flugzeuge von der andern Seite der Insel her über das Land völlig unerwartet über den Hafen hergefallen waren und ihn mit ihren Bomben dem Erdboden gleichgemacht hatten. Die Art und Weise wie die Geschichte hier dargestellt wurde, erschien mir keineswegs objektiv, sondern zutiefst parteiisch und patriotisch verklärt. Dennoch: Es war ein recht bewegender Moment hier an diesem berühmten Ort mit kriegsentscheidender Bedeutung zu stehen. Einige aus jener Zeit verbliebene Veteranen standen im Erinnerungspark herum. In ihren Händen trugen sie alte Fotos, die sie sechzig Jahre jünger und in Uniform zeigten. Man konnte sich mit ihnen fotografieren lassen, mit ihnen reden und sie über die Ereignisse von damals fragen. Sie erzählten lang und gern.

China Town

Am frühen Nachmittag machten wir einen Abstecher in Honolulus China Town. Die asiatische Präsenz ist auf Oahu kaum zu übersehen. Manche Hinweisschilder und Werbetafeln sind sogar ausschließlich auf Chinesisch oder Japanisch verfasst. Tatsächlich ist es so, dass der größte Bevölkerungsanteil der Hawaii-Inseln inzwischen von den Asiaten eingenommen wird. Nur noch circa sechs Prozent der heutigen Hawaiianer stammen von der ursprünglichen polynesischen Bevölkerung ab. Über 40% sind Asiaten. Ich hatte das Gefühl, dass auf der Insel eine Art Kulturkampf herrsche und zwar zwischen Amerika, dem Kontinent im Osten, und Asien, dem Kontinent im Westen. Die indigene polynesische Kultur war dabei bis auf ein paar künstliche Refugien längst zertrampelt worden und schien nur noch für den Tourismus relevant zu sein.

Paradise Cove

Ein Beispiel für diese touristischen Reste Polynesien wurde uns am Abend geboten. Wir fuhren in das idyllisch in einer kleinen Bucht gelegenen Paradise Cove. Es gab dort einen schönen Strand, exotische Flora, echte kulinarische Spezialitäten Hawaiis und eine stundenlange Show im Fackelschein mit Feuerschluckern, Hula-Tänzerinnen, Ukulele-Spielern und allem, was sonst noch so dazugehört um den Klischees Genüge zu tun. Ich erinnere mich noch von dort aus einen wunderbaren Sonnenuntergang beobachtet zu haben. Gemeinsam mit den anderen spazierte ich ein Stück am teils auch ein wenig felsigen Ufer entlang und sah der pazifischen Brandung zu. Das Essen war sehr gut. Natürlich servierte man uns das traditionellste aller traditionellen hawaiianischen Speisen, das Lu‘au, das anderswo kaum zubereitet werden kann. Und zwar darum, weil man dazu Vulkansteine braucht. Man nehme ein Schwein, fülle es mit heißen Vulkansteinen und vergrabe es in der Erde. Nach ein paar Tagen grabe man es wieder aus und esse davon. Mir schmeckte es. Dazu gab es mehrere köstliche Saucen und das violette Brot, das es auf Hawaii überall gibt. Auch die Kartoffeln waren violett. Nach dem Essen bot man uns bis in die Nacht hinein noch eine schöne Show. Man spielte Lieder, sang dazu, erzählte in recht dramatischem Pathos von der Geschichte Hawaiis und erklärte uns die spirituelle Bedeutung des Hula. Ein schöner Tag ging zu Ende.

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Ein Tag in Honolulu

Der Großteil des nächsten Tages stand uns zur freien Verfügung. Ich erinnere mich, dass ich ziemlich lange auf eigene Faust durch Honolulu streifte und mich diversen Eindrücken hingab. In einem kleinen Shop kaufte ich mir einen schwarzen Strohhut, den ich sehr mochte und den ich fast vier Jahre später bei meiner Maturareise am Strand von Tunesien wieder verlieren sollte.

Sehr schön fand ich auch die Galleria, ein großes Kaufhaus mitten im Honolulu. Auf einer Seite sind die Außenwände nichts anderes als ein großes Aquarium. Während man einkauft, sieht man Rochen und Haie neben sich vorbeischwimmen und dahinter sieht man Straßen, Autos und Passanten. Eine interessante architektonische Idee, die eine schöne Illusion erzeugt.

Den Nachmittag verbrachte ich gemeinsam mit den anderen am Strand. Wir gruben einander im Sand ein, badeten in den hier doch sehr bescheidenen Wellen und liehen uns schließlich Surfbretter aus. Auf der vergeblichen Suche nach ein paar geeigneten Wellen paddelte ich fast eine Stunde lang mit meinem Brett im Meer herum, aber außer Rückenschmerzen erntete ich nichts dabei. Wo waren denn die großen Wellen des Pazifiks, die man von den Filmen her kannte?

Schiffsfahrt vor Waikiki Beach

Am Abend erwartete uns wieder ein schöner Ausflug. Mit einem Schiff fuhren wir in der Abendsonne hinaus aufs Meer. Während unter Deck ein abwechslungsreiches Showprogramm und gutes Essen geboten wurde, konnte man auch draußen an der Reling lehnen und auf Honolulu hinüberblicken, das im Licht der untergehenden Sonne langsam seine Farben änderte. Allmählich verschwanden die grünen Hügel in der Ferne bis nur noch die elektrischen Lichter der Stadt die Nacht erhellten. Ich weiß noch, wie mich die Lust ergriff, das Steuer zu übernehmen und unser Schiff nach Süden zu lenken, weit hinaus in die Leere des Pazifiks, wohin über viele Jahrhunderte hinweg nur mutige Seefahrer und polynesische Stämme vorgedrungen waren. Was mir an Oahu fehlte, war die Ursprünglichkeit. Vieles war genauso wie anderswo. Dieselben Straßenschilder, Reklametafeln, Hochhäuser und Shops. Doch irgendwo musste es doch anders sein, irgendwo war die Ursprünglichkeit sicher weniger verblichen als hier. Gerne hätte ich Maui, Kaua‘i oder die Hauptinsel Hawai‘i gesehen, mit seinen aktiven Vulkanen, mit dem Mauna Kea und seinen Teleskopanlagen – ich hatte mich damals ja schon längst der Astronomie verschrieben. Aber leider blieb mir all dies verwehrt. Irgendwann … – aber nicht auf dieser Reise. Spät nachts fuhr unser Schiff wieder in den Hafen ein und wir zogen uns in das Hotel zurück.

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Polynesian Culture Center

Ein wenig mehr Ursprünglichkeit sollte der vierte Tag meiner Reise bringen. Er begann mit einer langen Busfahrt, die uns fast um die halbe Insel führte. Endlich konnte man die Landschaft genießen. Vom Fenster aus sah ich die grünen Berge Oahus mit ihren faltigen Flanken und abgerundeten Gipfeln. Nahebei war immer das Meer, das sich im Laufe der Fahrt an verschiedenste Küstenformen schmiegte. Wir fuhren entlang steiler Hügel, sanfter Strände und passierten auch einige größere Siedlungen. Von einem Rastplatz aus hatte man eine wunderbare Aussicht auf die grünen Hügel und das blaue Meer. Am Horizont konnte man sogar eine der kleineren Inseln sehen. Man war mittendrin in der Natur und sog die süße Luft Polynesiens tief in sich hinein. Ich war fast traurig, als die Fahrt schließlich weiterging. Lieber wäre ich gewandert, anstatt erneut in einen Bus zu steigen. Lieber hätte ich einen dieser wunderbaren Hügel besteigen wollen um zu sehen, welche Aussicht mir sein Gipfel bot. Doch leider ging es nicht.

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Im Zuge der weiteren Fahrt erfuhr ich von unserem polynesischen Reiseleiter, warum mir manche der Hügelketten und grünen Täler so seltsam vertraut vorkamen. Der Grund war klar. Ich hatte sie schon einmal gesehen. Viele Filme waren hier zum Teil gedreht worden, darunter viele, die mir wohl bekannt waren, z.B. „Jurassic Park“ und andere.

Schließlich erreichten wir das Ziel unserer Fahrt und für mich war dies gewiss das Highlight der ganzen Reise. Wir verbrachten den Rest des Tages im Polynesian Culture Center, einer weitläufigen Anlage, in welcher äußerst detailgetreu die Dörfer der verschiedenen polynesischen Völker nachgebaut waren. Man schlenderte über schmale Pfade und kleine Brücken im Wald umher und gelangte so zu den einzelnen Schauplätzen, wo man die Bauweise der verschiedenen Inselvölker betrachten konnte, wo echte Repräsentanten der jeweiligen Kulturen über ihre alten Bräuche informierten, traditionelle Tänze vorführten und diverse kulinarische Spezialtäten verteilten.

Das schönste war die Weitläufigkeit der Anlage. Kein Massengewimmel, keine Touristenscharen wie anderswo. Teilweise traf man alleine auf die Polynesier, kam mit ihnen ins Gespräch, lernte die Unterschiede der einzelnen Inselwelten kennen und konnte von diversen Speisen kosten. Hier führte man Tanzrituale vor, dort demonstrierte man das Palmenklettern, anderswo fand man sich fast alleine umringt von den hohen gespenstisch anmutenden Stroh- und Holzbauten der Polynesier. Es war schön. So wanderte ich an diesem Tag also von Hawaii über die Marquesas-Inseln nach Tahiti und weiter über Fidschi und Tonga hinab ins weit entfernte Aotearoa, dem heutigen Neuseeland, das auch zur Inselwelt der Polynesier gehört. Es war interessant zu erleben, über welche gewaltigen Entfernungen sich diese alte Kultur verbreiten konnte. Von Hawaii bis Neuseeland sind es immerhin über siebentausend Kilometer. Und die Besiedelung all dieser Orte gelang mit jenen kleinen Booten, die man uns im Kulturzentrum auch zeigte. Angeboten wurde sogar eine Fahrt in einem derselben, die mich auf den Wasserwegen, die die einzelnen Dörfer voneinander trennten, abermals durch die ganze Anlage führte. Es war schön.

Als der Abend allmählich näher rückte, bot man uns noch ein fulminantes Schauspiel. Der Reihe nach fuhren Polynesier der einzelnen Stämme auf Floßen in den Zentralbereich der Anlage und tanzten zu ihren alten Liedern. Danach gab es in etwa dasselbe Programm wie in Paradise Cove: ein Lu‘au und eine spektakuläre Feuer- und Tanzshow.

Das Polynesian Culture Center war wohl einer der wenigen Orte auf Oahu, wo man schöne Souvenirs kaufen konnte, auf denen nicht „Made in China“ stand. Hier wurde echte, ursprüngliche Ware direkt von den einzelnen Inselwelten angeboten. Ich erwarb eine hölzerne Maske, die von den Maori in Neuseeland gefertigt worden war. Heute, acht Jahre später, hängt sie immer noch an meiner Zimmertür.

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Hanauma Bay

Über den fünften Tag möchte ich schweigen. Es ereignete sich nicht viel. Ein weiter Ausflug zum Strand, ein weiterer Surfversuch, ein weiterer Wunsch nach größeren Wellen, ein Abendessen im Planet Hollywood und ein nächtlicher Ausflug zum Markt, wo ich mir bei einer netten, jungen Chinesin ein Hawaii-Hemd kaufte. Das war Tag fünf.

Am sechsten Tage aber sollte noch ein weiterer wunderbarer Höhepunkt der Reise folgen. Wir fuhren zur malerisch gelegenen Hanauma Bay, einer malerisch gelegenen Bucht, die eigentlich ein erloschener Vulkankrater ist. Schon vom schroffen Kliff herab, kann man erahnen, dass dort unter der Oberfläche des türkisblauen Wassers eine Vielfalt von Leben schlummert. Nachdem wir in die sandige mit Palmen verzierte Bucht hinabgestiegen waren, liehen wir uns Flossen, Taucherbrille und Schnorchel aus und stürzten uns ins Wasser. Ich tauchte sicher fast eine Stunde lang zwischen dem Unterwassergestein der Bucht herum und erspähte diverse exotische Tierarten: kleine Rochen, den für Hawaii typischen Dogfish und viele mehr, deren Namen ich nicht kenne. Manchmal tauchte ein ganzer Schwarm im klaren Wasser auf und suchte schnell wieder das Weite. Viele Minuten lang verfolgte ich einen kleinen Rochen auf seinem langen Weg vom einen Ende der Bucht zum anderen. Es war wirklich sehr schön. Als ich endlich wieder ans Ufer kam, so tat ich dies nicht, weil ich der Wasserwelt überdrüssig geworden wäre, sondern deshalb, weil ich am ganzen Körper vor Kälte zitterte. Es war November und das Meer war nicht allzu warm. Schnell wärmte ich mich in der Sonne. Ich hatte vor, mich noch einmal in die Wasserwelt zu begeben, doch leider zwang die Zeit zum Aufbruch. Zurück in Honolulu spazierte ich alleine zum Strand und genoss noch meinen letzten Sonnenuntergang auf Hawaii. Morgen würde der Tag der Abreise kommen. Unseren letzten gemeinsamen Abend ließen wir bis spät nachts im Hard Rock Cafe von Honolulu ausklingen.

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Sandy Beach

Zwar war der Tag der Abreise angebrochen, doch war der Abflug erst für Abend geplant. Es blieb noch genug Zeit für ein weiteres kleines Abenteuer. Während die Girls noch einkaufen wollten, befolgte ich gemeinsam mit Kai und Christian den Rat eines hiesigen Wellenfreundes. Wir nahmen den Bus und fuhren nach Sandy Beach, ein Ort, der nicht weit entfernt auf der anderen Seite des Diamond Head gelegen ist. Und endlich – dort waren sie, die wilden großen Pazifikwellen, die man von den Filmen her kannte. Es sah wirklich halsbrecherisch aus und das war es auch. Hinweisschilder warnten vor Wirbelsäulenverletzungen.  Vergnügt stürzten wir uns in die Naturgewalten, sprangen in drei bis vier Meter hohe Wogen hinein und ließen uns von ihnen wieder ans Ufer tragen – oder besser gesagt – ans Ufer schmettern. Es war dies ein schöner Ausklang dieser Reise.

Zurück in Honolulu leistete ich mir noch ein gutes Mittagessen in einem chinesischen Restaurant, stattete dem Strand einen letzten Besuch ab, packte meinen Koffer und sagte der Insel Adé.

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Rückflug

Der Rückflug ging über Nacht. Meine Reisegefährten nahmen andere Flüge. Ich war der einzige, der nach Texas musste. Spät nachts hob ich von Hawaii ab und ließ mich von der Maschine erneut über den halben Pazifik und die halbe USA tragen. Am Morgen würde ich zurück in Texas sein. Während des Fluges kam ich mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch, der mir gerne seine Lebensgeschichte erzählte und auch sehr an meiner Herkunft interessiert war. Es war durchaus spannend. Er war Hawaiianer und gleichzeitig amerikanischer Kriegsveteran deutscher Abstammung. Als junger Mann und deutscher Staatsbürger hatte er bei Kriegsausbruch 1939 auf Hawaii gelebt und die Weisung bekommen nach Deutschland zurückzukehren, um dort seinem Vaterland zu dienen. „Raus, they said to me, Raus!“, erklärte er mit Resten deutschen Vokabulars. Da der Mann nicht blöd war, blieb er natürlich im vermeintlichen Paradies von Hawaii und verzichtete darauf sich in Europa dahin schlachten zu lassen.  Er wurde amerikanischer Staatsbürger und kämpfte dann ab 1942 an Seite des neuen Heimatlandes gegen die Japaner. Danach folgte noch ein langes, schönes Leben. Wie er mir erzählte, war er eben auf den Weg nach Florida. Als Veteran genoss er das Privileg, innerhalb der USA umsonst Flugreisen unternehmen zu können und dies wollte er so gut es geht auskosten. Leider vergaß ich den Vornamen dieser netten Reisebekanntschaft.

Am Morgen holte mich Matt am Flughafen ab und wir fuhren zurück zur Farm nach Sulphur Springs. Es gab viel zu tun. Thanksgiving stand vor der Tür und der Truthahn musste noch geschlachtet werden.

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