Eine Wanderung nördlich von Rabac

September 25, 2009 at 8:53 am (Betrachtungen - Kommentare - Aphorismen)

Manche Wanderungen und Spaziergänge graben sich tief in unser Gedächtnis ein und bleiben ständige Erinnerung. Nie werde ich vergessen, wie ich in Wales den Moel Siabad bestieg, wie ich durch die Moore Nordenglands wanderte oder die ligurische Küste entlang einen Tag nach Süden spazierte.Und auch mein kurzer Ausflug gestern, meine kleine Flucht aus dem Kreis der mich umgebenden Astrophysiker, soll mir unvergessen bleiben. Manchmal sind gewisse Wege so schön, dass man alle paar Schritte stehen bleiben muss um die Aussicht, den Geruch, die ganze Atmosphäre tief in sich aufzunehmen. Man steht an malerischen Orten, spürt den Wind im Gesicht und atmet die Luft der Freiheit. Es war nur ein kurzer Fußmarsch, doch intensiv genug um Bestand zu haben. Nach all der seltsamen Exotik Südostasiens tut es so gut am Mittelmeer zu sein.

Ich verließ das Hotel in Rabac gegen ein Uhr nachmittags und bahnte mir meinen Weg an Paint-Ball Gelände und Tennisplätzen vorbei hinauf in die Hügel. Bald ließ ich all das Treiben hinter mir und erreichte einen einsamen Geröllpfad, der mich stetig weiter aufwärts führte, höher hinaus über das Meer, weiter nach Norden. Anfangs erstreckte sich der Weg noch durch duftende Pinienwälder. Ich blieb oft stehen, atmete den süßen Duft der Bäume ein und berührte auch das Holz so manchen Stammes um die Natur um mich wirklich mit so vielen Sinnen wie möglich zu spüren. Das Pinienharz klebte an meinen Fingern. Ich roch Ölbaum, Pinie und Zypresse und den Duft des Meeres. Immer weiter aufwärts marschierend gelangte ich schließlich ans Ende des Waldes und hatte endlich unverborgen eine herrliche Aussicht zu meiner Rechten. Das Meer glitzerte in einem fantastischen Blau. An manchen Stellen war das Wasser ganz flach und ruhig, an anderen kräuselte es sich wieder. Sich kräuselnde Inseln im sonst stillen Meer. Die Insle Cres dominierte den Horizont. Bis auf ein paar Gebäude, die dort jenseits des Meeresarms standen und ein einsames Boot sah ich nichts, das an Menschheit erinnerte.

Ich folgte meinen Pfad weiter nach Norden. Immer höher wand dieser sich die Hügel hinauf, bis ich schließlich auch zu meiner Linken für kurze Momente eine herrliche Aussicht genoss. Es enthüllten sich so manche Hügelkuppe und so mancher Gipfel der Berge von Istrien.

Schließlich, als ich mir bereits Gedanken über den Rückweg zu machen begann, erreichte ich das kleine Dorf von Mali Cosi, welches abgeschiedener kaum sein könnte. Neben einigen kleinen Ferienhäusern gibt es die alten steinernen Gebäude des Ortskerns. Man hört Hähne krähen und sieht hinter alten Trockenmauern einige Kühe hervorlugen. Ich warf einen Stein in einen zur Gänze mit hellgrünen Algen bedeckten Teich und erfreute mich am Anblick wie kurz das Wasser zum Vorschein kam, bevor es dann mit der Zeit rasch von den nachrückenden Algen wieder bedeckt wurde. Nach einigem Suchen stieß ich in Mali Cosi dann auf einen schmalen, steinigen Pfad, der mich in vielen Windungen durch verlassene, grüne Küstenhänge im Laufe einer Stunde wieder hinab ans Meer führte. Es mochten circa dreihundert Höhenmeter gewesen, die ich aufgestiegen war und nun zurück nach unten musste. Ich hatte bisher seit den fernen Tennisplätzen von Rabac auf dieser Wanderung keinen einzigen Menschen aus der Nähe gesehen und so blieb es auch auf diesem Pfad, welcher sich manchmal im Gras und Geröll des steilen Hanges verlor und sich dann zum Glück wiederfand. Schon nahe des Meeres kam ich zurück in die Wälder und plötzlich war ich dann da und das Rauschen des recht stillen Meeres der Bucht von Kvarn hieß mich Willkommen. Es überraschten mich einige wunderschöne Buchten, zu denen hinab kein Weg führte als jener über das Meer. So schroff war das Ufer, so steil die Felsarena, welche die Buchten umgab. Das Wasser war so wunderbar klar, dass man bis weit hinein ins Meer den Grund noch sehen konnte und das Spiel der kleinen und großen Felsen, wie sie es an manchen Stellen vermochten, die Oberfläche zu durchdringen und in die Luft hinaus zu ragen. Ich bahnte mir meinen Weg weiter durch die felsigen Küstenwälder und kehrte schließlich nach und nach zurück in die Gefilde, wo Menschen weilen. Aus den Buchten hörte man die ersten Gespräche und schließlich sah man auch nach und nach ein paar Artgenossen an den Steinen und Kiesstränden kleben. Vorbei am ausgedehnten Gebiet der Nacktbadebuchten und -strände gelangte ich schließlich wieder nach Rabac, wo ich pünktlich zum Beginn der Nachmittagsvorlesungen anlangte. Ich war nicht länger als drei Stunden unterwegs gewesen, doch kaum einer hatte seine Zeit besser genutzt.

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