02 Gandhi

September 17, 2014 at 6:25 pm (Indien&Nepal)

Ein … Tag, zu dem mir das rechte Adjektiv fehlt. Das meiste davon stand im Zeichen Gandhis. Leider blieb mir der Besuch des Ortes, an dem sein Körper verbrannt wurde, verwehrt. Die beachtliche Polizeipräsenz und die Bomb Removal Squads ließen schon darauf schließen, dass etwas im Gange war. Vor den Toren der Gedenkstätte brachte ich in Erfahrung, dass eine chinesische Polit-Delegation den Ort besuchen wollte. Schade. Morgen oder übermorgen hoffe ich zumindest den Ort seines Todes zu besuchen. Dennoch bekam ich heute viel von Gandhi zu sehen. Zwei Museen in der Nähe erzählen seine Geschicte, beide sehenswert. Besser fand ich das Unklimatisierte, in dem ich allein auf weiter Flur war. Dort werden nicht nur Bilder und Sandalen gezeigt, dort wird Geschichte erzählt. Es war interessant zu sehen, welche Aspekte Richard Attenboroughs Film aufgreift und das Museum verschweigt und vice versa. Ich lernte auch viel Neues. Beeindruckend waren vor allem die Kopien von Gandhis Briefen (etwa an seien verehrten Leo Tolstoi, aber auch z.B. an Hitler, den er – wie damals jeden – als „Dear friend “ adressiert und versucht ihn davon abzubringen, den Weltkrieg zu beginnen. Faszinierend sind auch die vielen Fotografien, die Gandhi gemeinsam mit Größen der Kunst wie Chaplin oder Rabindranath Tagore zeigen. In seinen vielen Zeitungsartikeln fand ich auch einige Punkte, in denen ich ganz anderer Meinung bin als Gandhi. Seine radikal ablehnende Haltung zu Verhütung ist einfach nur traurig.
Sehr ärgerlich war mein Besuch beim Feroz Shah Kotla. Mangels Kleingeld wurde mir der Eintritt verwehrt – und das nach langem Anmarsch in der Mittagshitze. Der Mann an der Kasse konnte – umgerechnet in Euro – bei einem Eintrittspreis von €1 keinen €10 Schein wechseln. Ein Zeichen dafür wie wenige nichtindische Besucher ihren Weg dorthin finden. Ich tröstete mich beim Betrachten der niedlichen Streifenhörnchen im nahegelegenen Park.
Von der Ruine entschied ich mich bis zum Connaught Place, dem alten kolonialen Herz der Stadt zu marschieren. Der abenteurtliche Weg zeigte mir viel Schmutz und Elend. Wie voll von Menschen hier alles ist.
Connaught place ist im Vergleich zu Alt-Delhi eine andere Welt. Hier pochte das Herz von British India. Geometrisch und voluminös ist die Struktur der Straßen und Gebäude. Bars, Bookshops und andere Einrichtungen säumen die weiten Arkaden. Eine der beeindruckendsten Bauten am Connaught place ist das vom Mogulenkönig Jai Singh ll erbaute Jantar Mantar. Es ist dies ein astronomisches Beobachtugszentrum sonder gleichen. Eine dreißig Meter hohe Sonnenuhr, deren Zeiger und Skala aus Stein gefertigt sind, und andere Bauten, die ebenfalls mit Licht und Schatten spielen, erlauben die Messung einer ganzen Reihe von Beobachtungsgrößen.
Im Zentrum des Platzes weht eine riesige Nationalflagge im Wind. Eine Weile lang lag ich unter ihr im Gras und betrachtete das Spiel des Windes, der vielfältige Strukturen in den Stoff zeichnete. Ashokas Rad verschwand stets kurz und kehrte wieder. Per Riksha fuhr ich weiter zum roten Fort.

Inzwischen bin ich recht geübt geworden im Abwimmeln diverser Typen, die einem alles mögliche andrehen wollen: Socken, Uhren, Haschisch, Radietapparate, Zitronen, 32Gb USB- Sticks, riesenhafte Luftballons etc. Alle zwei Monaten wird einem dies und dergleichen mehr unter die Nase gehalten. Der beste Trick ist, glaubhaft zu vermitteln, dass man schon Monate im Land sei und wisse, wie der Hase läuft.

Nun sitze ich eben auf einer dunklen Bank im nächtlichen Fort und warte auf den Beginn der vielgepriesenen Sound & Light Show.

Die Light Show erzählt von der Geschichte der einstigen Mogulenhaupstadt und beleuchtet dabei die schönen Bauten des roten Forts. Selbst bei der englischen Version war ich fast der einzige Nichtinder. Am Ende erhoben sich alle zur Nationalhymne. Per Riksha durch die immer noch vollen Straßen der Nacht gings zurück zum Hotel.

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