04 Qutb Minar

September 19, 2014 at 2:55 pm (Indien&Nepal)

Ein sehr heißer Tag. Nach langer Metrofahrt erreichte ich den Komplex von Qutb Minar weit im Süden der Stadt. Der 73 m hohe Turm ist wirklich beachtlich, die umliegenden Bauten und Ruinen sind es ebenso. Inmitten der einstigen Moschee unterhalb des Minar steht auch die um einige Jahrhunderte ältere Eisensäule, welche Vishnu geweiht ist. Im Westen kennt man sie hauptsächlich aufgrund der Fantastereien von Erich van Däniken und anderer Verschwörungstheoretiker, die – obwohl es längst eine wissenschaftliche Erklärung gibt – nicht aufhören zu behaupten, dass die Säule auf magische Weise nicht roste. Der Grund hierfür sei ihr außerirdischer Ursprung. In Wahrheit ist die Säule irdisch und stammt aus dem dritten Jahrhundert – was den Besucher dennoch nicht hindern sollte, staunend vor ihr zu stehen. Der hohe Minar daneben mit seinen kunstvollen Verzierungen (angeblich der höchste Ziegelturm der Welt) ist aber ungleich imposanter. Sehr amüsant und informativ ist der AudioGuide des Qutb Minar Komplexes. Nett wie sich der alte Sahib und das Mädchen aus der Nachbarschaft mit den Königen untergeganger Reiche unterhalten.
Als nächstes gelangte auf Irrwegen zum Hauz Khas. Ursprünglich war dies ein riesiges Wasserreservoir, an dessen Ufer irgendein Sultan eine theologische Universität errichten ließ. See und Ruine sind immer noch da. Angrenzend hat sich aber eine kleines Viertel mit Antiquitäten- und
Kunsthandwerksläden entwickelt. Es gibt aber auch zahlreiche Bars und Restaurants. In seiner Gesamtheit ist der Ort zum Domizil für die junge, wohlhabende Einwohnerschaft geworden, die in trauter Zweisamkeit die Stille der Ruinen such oder in fröhlicher Geselligkeit die Bars besucht und grässliche Technomusik hört. Man tanzt und kreischt im dunklen Gewölbe. Dabei ist es erst drei Uhr Nachmittags. Auf den zwei Flatscreens lief eben noch stumm zum Techno „Herr der Ringe 2“ . Irgendwie bizarr.

Nun läuft ein Cricket-Spiel, dessen Regeln ich zu ergründen suche. Hm. Einer schlägt mit dem Brett einen Ball ins jubelnde Publikum. Nun blicken alle recht depressiv vor sich hin. Ich bin der einzige Nichtinder hier. Das Essen war super. Als Vorspeise Falafel mit Minzsauce,  nun ein köstlicher Linsenschleim mit Nan.  Endlich eine bekannte Melodie. „There’s a collider under Geneva “ (Insider). Wie es aussieht ist die pinke Mannschaft am Gewinnen.
Auf der Heimfahrt erlebte ich die Metro zum ersten Mal zur Stoßzeit. Es ist einfach brutal. An jeder Tür sind zwei Polizisten stationiert die bei Einfahrt des Zuges erst einmal einen Korridor schaffen, durch den die aussteigenden Fahrgäste entkommen können. Das klappte nur bedingt, weil die letzten schon wieder von den ersten Einsteigenden überrannt wurden – mitunter von mir. Nicht dass ich eine Wahl gehabt hätte. Der Druck von hinter mir war zu Gruß. Wie eine Flut drängen die Menschen aller Altersgruppen in den Wagen. Man steigt sich auf die Füße schlägt mit dem Ellbogen in Gesichter. Und wenn alles voll ist drängen noch mehr Menschen nach bis man an allen Seiten so dicht an die Umstehenden gepresst wird, dass es schon weh tut. So steht man dann endlose minutenlang da – bis bei der nächsten Station das Gedränge wieder von vorne losgeht. Und erst der Kampf ums Aussteigen … Das Konzept Metro versagt angesichts dieser Menschenmassen.

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