05 Gräber

September 20, 2014 at 3:40 pm (Indien&Nepal)

Heute besuchte ich das Grab des Humayun – ein riesiges, wunderschönes Mausoleum, das wohl nur noch vom Taj Mahal übertroffen wird, aber fast genauso schön ist. Umgeben ist der Bau von einer weitläufigen Parkanlage, die der Lärm der Straßen nicht zu überbrücken vermag. Zum ersten Mal seit ich in Delhi bin, ist es still. Nur gelegentlich hört man das Pfeifen einer Lokomotive auf der nahen Bahnstrecke. Morgen Abend werde auch in einen Zug steigen. Im Park rund um Humayuns Grab stößt man auch auf andere Mausoleen, etwa das seines Lieblingsbarbiers. Ein schöner Ort, um im Schatten von Bäumen und Gräbern zu sitzen, die Hitze zu genießen, den Vögeln zu lauschen und Rabindranath Tagore zu lesen.

Ein Erlebnis der besonderes Art war der anschließende Besuch des Sufi-Heiligtums Hazrat Nizam-ud-din Daragh. Im engen Gassengewirr eines Basars findet man nach ein bisschen Suche das versteckte Eingangstor. Kaum hatte ich mir die Sandalen ausgezogen, bekam ich auch schon einen Teller Rosenblüten in die Hand und eine Sufi-Kappe auf den Kopf gedrückt. Im Pilgerstrom folgte ich den anderen durch enge Korridore an dessen Seiten arme Menschen, denen Arme oder Beine fehlten.

um Gaben bitteten. Einer hatte am ganzen Körper kugelartige Geschwüre, ein anderer ans
cheinend gar Lepra. An mancher Ecke gab es die Möglichkeit weitere Opfergaben – den Teller Rosenblüten trug ich ja schon mit mir rum – zu erwerben, etwa irgendwelche bunten Tücher, etc. Nach Minuten in elendgefüllten Korridoren erreichte man schließlich das Zentrum der Heiligstätte. Auf einem marmorbefließten Innenhof erhebt sich das wunderschöne Mausoleum des Hazrat Nizam-ud-din. Darum herum und darin sangen und beteten die Pilger. Während ich noch grübelte, was ich jetzt hier mit meinen Rosenblüten anfangen sollte, kam ein Alter Sufi auf mich zu. Er begrüßte mich freundlich und nahm sich – nachdem ich nochmals meine Handfläche darauf legen musste – der Rosenblüten an, indem er sie in die innere Kammer trug. Ein anderer Sufi erkundigte sich nach meiner Herkunft und wollte, als ich Austria sagte, die korrekte Aussprache von Zell am See wissen. Hä?

Ich kostete noch ein wenig die Atmosphäre aus und suchte dann das Weite.

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1 Kommentar

  1. Martin said,

    Zell am See- ist ja irre !

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