08 Sarnath

September 24, 2014 at 4:46 am (Indien&Nepal)

Ah, Sarnath … Welch wunderbare Erfrischung zu den lauten, staubigen Straßen von Varanasi. Ein bisschen Wind weht durch die vielen Bäume des grünen, ruinenreichen Ortes. Es ist ruhig und friedlich. Man kann ungestört im Schatten sitzen, ohne beständig irgendwelche Leute abwimmeln zu müssen. Schön ist’s.
Es war hier vor etwa zweitausendfünfhundert Jahren, da Buddha nach seiner Erleuchtung seine ersten Reden zum achtfachen Pfad hielt und die ersten Anhänger fand. Jahrhunderte später ließ König Ashoka den Ort mit Tempeln und Stupas bebauen. Geblieben ist wenig, doch genug um auf eine große Vergangenheit schließen zu lassen. Buddhhistische Pilger aus aller Welt kommen hierher.
Das archäologische Museum von Sarnath ist mit mehrsprachigen Infoscreens sehr modern gestaltet. Zur Zeit meines Besuchs war es grad voller Italiener, die von einem Inder von Statue zu Statue geführt wurden. Der Anblick eines Inders, der in fließendem Italienisch von Buddha erzählt, war sehr amüsant. Jedenfalls zeigt das Museum viele bis zu zweitausenddreihundert Jahre alte Statuen, die sehr sehenswert sind. Highlight ist zweifelsohne das Kapitell der Ashokasäule mit seinen vier Löwen.
Es gibt noch mehr zu sehen. Ein Stück die Straße runter markiert eine beachtliche Stupa, den genauen Ort, an dem Buddha seine Jünger fand. Davor ist noch ein wunderschöner Thai-Tempel mit zum Spaßen aufgelegten Mönchen.
Ein anderer Tempel, der in den dreißiger Jahren erbaut wurde (vor allem durch Gelder einer reichen Hawaianerin) widmet sich der schwierigen Aufgabe, den Buddhismus in Indien wieder stärker zu verbreiten.

Zurück in Varanasi wurde ich abends Zeuge der täglichen Lichterzeremonie am Ganges. Tausende versammeln sich zu diesem Musik- und Feuerspektakel, bei dem mehrere rituell gekleidete Hindus Blüten in die Menge streuen, sowie Balancekunststücke mit baum- und kobraförmigen Feuerschalen vollführen. Gläubige waschen sich im Ganges und auch im Feuer, indem sie die Hände in die Flammen halten und sich dann übers Gesicht fahren. Bei Händlern kaufen die Menschen ganze Flotten von kleinen Lotosblütenschiffchen, die sie dann brennend dem Fluss übergeben und ihnen Worte nachflüstern. Nur wenige Leuchtschiffchen schaffen es allerdings vorbei an der dichten Phalanx von Booten, auf denen Schaulustige das Spektakel vom Wasser aus beobachten.
Jeden Abend zieht dieses Flussfest tausende Menschen an: Pilger aus ganz Indien, heilige Sadus, Leute aus der Nachbarschaft, Händler … Die Touristen (mehrheitlich Japaner) sind eine verschwindend kleine Randgruppe. Ein beeindruckendes Spektakel, das man wohl nicht so leicht wieder vergisst.

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