11 Lumbini

September 26, 2014 at 3:17 pm (Indien&Nepal)

Nach gutem Frühstück nahm ich mir ein Fahrrad und besuchte den Maya Devi Tempel und die Ashoka-Säule daneben. Es ist dies eine der vier  wichtigsten Pilgerstätten des Buddhismus. Erst kürzlich haben neue archäologische Erkenntnisse gezeigt, dass es sich hierbei wirklich um den exakten Geburtsort der historischen Figur des Gautama Sakyamuni Siddharta handelt. Wichtiges Indiz ist natürlich vor allem die Säule von König Ashoka mit der entsprechenden Inschrift aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert, die also nur zwei bis drei Jahrhunderte nach Buddhas Tod entstand. Interessanterweise ist die tatsächliche Existenz des Buddha historisch viel deutlicher belegt, als beispielsweise die Existenz des historischen Jesus.

Ich sitze immer noch hier und denke über Siddharta nach. Er hat gewissermaßen eine Art kantisches Schicksal erlitten. Buddhas Lehre ist keine Religion. Sie ist ein weitgehend metaphysikfreies Gefüge aus Kosmologie und Ethik. Der historische Buddha stand dem Konzept von Gott und Göttern ablehnend gegenüber. Ironischer-, ja tragischerweise, hat die Nachwelt den findigen Moralphilosophen selbst zum Gott gemacht – so ziemlich das schlimmste, was einem Philosophen passieren kann. Die plumpe Verehrung eines Buddha-Gottes im Vulgärbuddhismus ist wohl weit von dem entfernt, was der historische Gautama Siddharta bezweckte.

Schön ist es hier. Angenehm kühl. Vor mir liegt der Teich, in dem – so die Legende – Maya Devi vor zweieinhalb Jahrtausenden badete. Heute, wie wohl auch damals, gleiten Schildkröten durchs Wasser. Genau fünfundzwanzig Schritte vom Teich entfernt (als ob das in der Situation jemand mitgezählt hätte) gebar sie dann mit der rechten Hand einen Bodhibaum umklammernd den jungen Prinzen. Ein weißer Stein markiert den genauen Ort. Daneben steht Ashokas Säule. Die Details sind wohl mehr Mythos als Faktum.

Nördlich von Buddhas Geburtsort erstreckt sich ein weites, grünes Gebiet, auf welchem alle Länder, die eine nennenswerte buddhistische Gemeinschaft haben, einen Tempel errichten ließen oder immer noch dabei sind, dies zu tun. Man kann den ganzen Tag damit verbringen, von Tempel zu Tempel zu radeln und die verschiedensten Stile der Architektur, Skulptur und Malerei zu bewundern. Dieser große monastischen Komplex ist von einem langen Wassergraben getrennt. Östlich davon befinden sich alle Tempel der Theravada-Schule des Buddhismus, also jene von Sri Lanka, Myanmar, Thailand und Kambodscha. Letzerer ist zwar erst halb fertig, aber architektonisch besonders ansprechend. Allein die Angkor Wat nachempfundenen Eingangstore sind wunderschön. Das einzige theravada-dominierte Land, das fehlt, ist Laos – aus welchen Gründen auch immer. Westlich des Wassergrabens findet man Tempel buddhistischer der Mahayana-Schule und zwar jene von China, Korea, Vietnam, Nepal, Japan, SingaPublikumr, aber auch Tempel die  buddhistischen Gemeinschaft in Deutschland, Österreich und Frankreich zuzuordnen sind. Buthan und Mongolei haben auch schon Baupläne. Indien fehlt ganz. Alle Tempel in ihrer wunderbaren Verschiedenartigkeit sind sehenswert (außer vielleicht der von Singapur). Als absolutes Highlight empfand ich die Tempel von Vietnam und Deutschland aufgrund ihrer verspielten Landschaftsgestaltung. Jener Koreas wird wohl alle anderen überragen – wenn er erst einmal fertig ist.
Nördlich der monastischen Zone befindet sich ein kleines Museum und die imposante World Peace Pagoda, die von den Japanern errichtet wurde. In den Wäldern ringsum finden Kraniche ein wertvolles Refugium vor und nach ihrer mühsamen Überquerung des Himalaya.

Lumbini ist ein schönes Willkommen in Nepal. Obwohl ich erst knapp über 24 Stunden hier bin, ist der Kontrast zu Indien kaum zu leugnen. Die Menschen hier sind viel gelöster, viel offener und freundlicher als in Indien. Man hat viel mehr das Gefühl, willkommen zu sein.

Es gibt auch weniger Armut. Ein jeder scheint weniger streng und irgendwie glücklicher zu sein als in Indien. Meine dreißig Tage in diesem schönen Landgedenke ich jedenfalls voll auszukosten.
Morgen Abend bin ich in einem Dorf in den Bergen. Schön.
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