14 Tansen

September 29, 2014 at 2:23 pm (Indien&Nepal)

Ich erwachte gegen halb sechs, als vom Fenster her ein rätselhafter Singsang erklang und mich aus meinen Träumen riss. Ein Zug von etwa dreißig Frauen schritt eine Art Gebetsformel intonierend die enge Gasse entlang. Ich ließ sie ziehen und legte mich wieder hin.

Die Wanderung des heutigen Tages war längst nicht so bunt und anstrengend wie der gestrige Marsch nach Ranighat, aber durchaus nicht arm an Charme. Die Achtausender hielten sich immer noch verborgen, doch zumindest hinab ins weite grüne Madi-Tal konnte ich sehen. Gemächlich wanderte ich entlang der Hügelkette von Dorf zu Dorf. An manchen Stellen gab es beschauliches Dorftreiben zu bewundern, auf manchen Hügeln wunderbare Aussicht. Die Freundlichkeit der Einheimischen überraschte mich einmal mehr. Etwa zehn Minuten begleitete mich ein Junge, sicher nicht älter als acht. In sehr gutem Englisch fragte er mich alles mögliche: Herkunft, Anzahl und Namen der Familienmitglieder, Reiseziele, etc. Er bat mich ein Foto von ihm zu machen und amüsierte sich über das Ergebnis auf meinem Handy-Screen. Schließlich zeigte er mir den Weg zu einem nahen Tempel und verabschiedete sich. Keine krummen Tricks, keine Bitte um Geld, einfach nur Neugier und Freundlichkeit.

Nach vielen Dörfern und verlassenen Wegen, nach vielen Rindern, Ziegen und Spinnennetzen stieg ich schließlich ab zum Siddharta Highway und nahm den Bus zurück nach Tansen, das ich kurz vor einem harmlosen Gewitter erreichte.

Nach ein paar Leckerbissen aus der lokalen Bäckerei und verdienter Frühnachmittagsrast schlenderte ich noch eine Runde durch Tansen und betrachtete einige historische Bauten sowie das hiesige Leben. Wenn man genau hinsieht, so findet man in den Schnitzereien des Amar Narayan Tempels einige äußerst anzügliche Motive. In den engen Gassen der Stadt stößt man immer wieder auf kleine Schreine zu Ehren Hanumans, der hier anscheinend besonders beliebt ist. Auf meinem Spaziergang passierte ich auch einige Handwerksstuben, in denen, wie schon seit Jahrhunderten, Bronze bearbeitet wird. Nach einem großen Teller Momos im Royal Inn (gutes Essen, unfähiger Kellner) werde ich nun meinen Rucksack packen und mich dann schlafen legen. Schon um sechs Uhr morgens geht mein Bus nach Pokhara, an dessen schönem See ich einige Zeit zu bleiben gedenke.

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