15 Siddharta

September 30, 2014 at 3:20 pm (Indien&Nepal)

Sechs Stunden lang fuhr ich mit dem Regionalbus den Siddharta Highway entlang. Es war kein bisschen eintönig, sondern kurzweilig und wunderschön. Der Bus, der zuzeiten bis zu 40 Nepalis, einen Österreicher (c’est moi), zwei Kanadier und vier Ziegen fasste, kurvte durch steile, saftig grüne Täler und hielt in so manchem beschaulichen Dorf. Von meinem Fenster aus konnte ich viele Begrüßungen und Abschiede beobachten. Viele Leute, auch der freundliche Nepali neben mir, waren auf dem Weg zu ihrer engeren Familie, um mit ihnen die bevorstehenden Feiertage zu verbringen. Als die teils schon fürs Dashainfest geschmückten Ziegen im Mittelgang keinen Platz mehr fanden, wurden sie kurzerhand in den Kofferraum gesteckt.
Nach vielen schönen Tälern, Bächen und Bergen erreichten wir schließlich Pokhara, die Stadt am schönen See von Phewa Tal mit seinen waldreichen Ufern. In der Luft sieht man die Paraglider gleiten, am See die Boote übers Wasser fahren. Um den Mittagshunger zu stillen, verschlang ich sogleich einen Fisch „fresh from the lake“. Nach angenehmer Rast genoss ich einen Spaziergang entlang des Seeufers. Herrlich. Alles schimmerte silbrig im Licht der nahenden Dämmerung. Vereinzelt trieben noch Boote im See. Einzelnen Fischer säumten das Ufer. Die Weltfriedenspagode erhob sich auf ihrem Hügel im Westen. Im Norden konnte man die Umrissene des Annapurnamassivs erahnen. Das Klima hier könnte kaum angenehmer sein. Ein frischer Wind weht von den Bergen her. Lange stand ich an diesem schönen Ufer und beobachtete, Rachmaninov in den Ohren, den Flug einer Fledermaus.
Pokhara ist mit seinen vielen Trekking-Ausstattern, seinen Reisebüros und modernen Restaurants wohl der „westlichste“ Ort, der mir für einige Zeit begegnen wird. Im Unterschied zu Indien findet man nirgendwo Tuktuks und Rikshas. Sogar Recycling gibt es hier. Und an allen Ecken und Enden lockt das Abenteuer. Was soll’s zuerst sein? Ein Paragliding Tandemflug? Ein dreitägiger Rafting Trip auf dem Kali Gandaki? Eine Tagestour mit dem Fahrrad? Eine Zehnstundenwanderung rund um den See? Oder soll ich mir einfach für ein paar Stunden ein Ruderboot nehmen, weit hinaus paddeln und im Angesicht sich im Wasser spiegelnder Achttausender ein Bad nehmen, ein Buch lesen, die Welt betrachten?
Als erstes kommt der Sonnenaufgang.
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