28 Patan

Oktober 13, 2014 at 2:18 pm (Indien&Nepal)

Problemlos und schnell gelangte ich morgens per Minivan ins nahe Patan, einst mit Kathmandu rivalisierende Stadt um die Vorherrschaft im Tal, heute eher Vorort. Die Pracht der Altstadt zeugt von vergangener Macht – wahrlich ein architektonischer Hochgenuss. Welche Flut wunderbar proportionierter Tempel mit kunstvollen Verzierungen. Dazu der einstige Königspalast mit seinem sehr gelungen
Museum (finanziert von Nepal und Österreich). Inzwischen bin ich recht geschult darin, mit wenigen Blicken zu erkennen, wem ein Tempel gewidmet ist. Ob Shiva, Vishnu, Lakshmi oder Parvati, ob Durga, Bairava, Indra, Hanuman oder gar Chandra – ich kenn mich aus (Ganesha ist natürlich trivial,  sein Reittier ist eine Maus).
Spannend war in Patan unter anderem, dass auf mehreren Tempeln jene Dachbalken, auf denen üblicherweise erotisch-pornographische Schnitzereien zu finden sind, stattderer Folterszenen zeigen. Das Museum zeigte mir einmal mehr, wie sehr sich spätere Formen des Buddhismus (insbesondere im vajrayana) mit hinduistischen Elementen vermengten. Beide Religionen klauen einander ein paar Götter weg. Seltsame Symbiosen tun sich auf. Auch über Tantrismus in Hinduismus und Buddhismus weiß das Museum von Patan viel zu erzählen. Ein Highlight sind auch die im Wiener Völkerkundemuseum entdeckten und nun in Patan ausgestellten Schwarzweißfotografien eines Österreichers, der Ende des neunzehnten Jahrhunderts Nepal
besuchte und in seinen Bildern verewigte. Er hätte sich wohl nicht träumen lassen, das seine Fotografien  einst in jenem Gebäude ausgestellt würden, das er damals so eifrig fotografierte.

In seiner Gesamtheit ist der Durbarplatz von Patan wohl noch ein wenig eindrucksvoller als jener von Kathmandu. Aber auch die Tempel, Schreine und versteckten Innenhöfe im übrigen Patan verdienen Beachtung.

Im Innenhof des Museums sah ich etwa hundert Schüler, die in einer Art Kundgebung mit vielen selbstgebastelten Schildern auf die Gefahr von Erdbeben hinwiesen. Schon mehrmals fiel mir auf, dass bei den hiesigen Schuluniformen auch Mädchen Krawatte tragen.

Nachmittags kam der Regen und ich nahm den nächsten Bus zurück nach Kathmandu. Die sonst so staubigen Straßen der Altstadt waren nun voller
Schlamm. Ein jedes vorbeirauschende Motorrad sorgte für braunes Gespritz. Diese Stadt würde von asphaltierten oder gepflasterten Straßen in Kombination mit der ein oder anderen Fußgängerzone immens profitieren.

Es folgte ein gemütlicher Abend im nicht ganz authentischen Irish Pub von Thamel. Morgen früh flieg ich zum höchsten Punkt der Welt.

image

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: