30 Bhaktapur

Oktober 15, 2014 at 3:08 pm (Indien&Nepal)

Aus dem noch regennassen Kathmandu gelangte ich binnen einer Stunde problemlos ins schöne Bhaktapur. An allen Straßen, die in die Altstadt führen, sind Tickethäuschen platziert, die dem Touristen ganze 1500 Rupien abnehmen. Doch das Geld ist gut investiert. Es dient dem Erhalt der einzigartigen Altstadt von Bhaktapur, Weltkulturerbe und architektonisches Juwel. Ich nahm mir ein ruhiges Hotel nur eine Gehminute vom großen Nyatapola Tempel (dem höchsten
Nepals) entfernt. Dann brach ich auf, die Altstadt zu erkunden. Man findet hier ganz ähnliche Dinge, wie in Patan und Kathmandu: einen Konigspalast,
viele imposante Tempel, Säulen, Tore, Wasserbecken und Statuen. Viele
Nandis und Garugas. Doch irgendwie ist alles wieder anders, alles neu zusammengewürfelt und mit anderen Akzenten versehen. Bhaktapur hat neben seinem Durbar square noch drei weitere imposante Plätze. Schön sind auch die vielen großen Wasserspeicher dieser Stadt, aus denen oft steinerne Kobras hervor lugen. Inzwischen war die Sonne zurückgekehrt. Auf einem
zweistündigen Rundgang durch beschauliche Gassen, abseits der
Touristenströme, bekam ich viel vom lokalen Leben zu spüren. Erstaunlich
wie viel Schulen es hier gibt. Und fast
jedes zweite Webeschild wirbt für irgendwelche Universitätslehrgänge
bzw. Auslandsstudienaufenthalte samt
Stipendien. Dieses Land hat so viel Bildungshunger, dass man einfach staunen muss.

Nachdem ich viel von Bhaktapur gesehen hatte, nahm ich den Bus zum Tempel von Changu Narayan und erreichte somit das siebte und letzte UNESCO Weltkulturerbe des Kathmandutales. Die übrigen sechs (Swyambunath, Bhodnath, Pashupatinath, sowie die Altstadt von Kathmandu, Patan und Bhaktapur); hatte ich bereits besucht. Mit Lumbini ist die Liste komplett. Ohne es beabsichtigt zu haben, ist mir kein einziges Weltkulturerbe Nepals entgangen.
Changu Narayan ist ein schöner, ruhiger Tempelkomplex auf einem Hügelkamm nördlich von Bhaktapur. Der dominante Gott ist hier Vishnu, auf welchen viele Symbole hindeuten. Die Garudastatue vor dem Tempel stammt aus dem fünften Jahrhundert, ebenso wie die Inschrift einer hier gefundenen Steintafel.
Schöner als der Tempel selbst war für mich der Rückweg nach Bhaktapur. Bei wunderschöner Aussicht auf Flüsse und Täler im Spätnachmittagslicht durchwanderte ich Dörfer und Wälder. Überall grüßen einen freundliche Einheimische (vor allem die Kinder) und fragen interessiert nach dem Woher
und Wohin. Die Sonne ging eben unter als ich nach eineinhalb Stunden
Fußmarsch wieder am Durbar Platz von Bhaktapur stand. Ich gönnte mir zur Stärkung eine lokale Spezialität. Bhaktapur ist berühmt für sein cremiges Naturyoghurt (the royal curd), das wirklich hervorragend schmeckt. In einem winzigen Laden, wo es nichts anderes gibt als Naturyoghurt, aß ich ganze drei Tonschüsseln und nahm mir vor morgen früh noch einmal vorbeizuschauen.

Abends las ich im Internet, dass der ungewöhnliche Wintereinbruch der vergangenen Tage seine Opfer gefordert hatte. Am Annapurnatrek nahe dem Thorung La Pass sind angeblich bis zu sechzehn Touristen verunglückt. Mehr noch werden vermisst. Auf meiner Reise habe ich einige Leute getroffen, die eben jetzt in der Nähe dieser heiklen Stelle im nördlichen Annapurna sind. Mit ein bisschen Regen bin ich wohl recht glimpflich davongekommen. Inzwischen ist es wieder warm und schön.
Abends saß ich noch auf einer Dachterasse inmitten der Altstadt, aß ein hervorragendes Chowmein und genoss es hinüber zum hohen Nyatapola Tempel und hinab zu den Musikern, die sich vor dem mächtigen Bhairabnath Tempel platziert hatten, zu blicken. Nach dem Essen stieg ich noch einmal die steilen Stufen zum Nyatapola Tempel empor. Unter mir spielten im Feuerschein die Musiker. Über mir leuchteten die Sterne. Unvergessliche Momente.
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