40 Darjeeling Himalayan Railway

Oktober 26, 2014 at 2:39 am (Indien&Nepal)

Ein Tag für Eisenbahnnostalgiker. Der über hundert Jahre Darjeeling Himalayan Railway windet sich von Darjeeling aus talwärts. Zweitausend Höhenmeter liegen zwischen den zwei Termini Siliguri im Tal und Darjeeling in den Bergen. Die abenteuerliche Bahnstrecke, auf der auch noch echte  Dampflokomotiven verkehren, weist nicht nur haarsträubend enge Kurven, sondern auch zahlreiche Z-Passagen (Zug ändert Fahrtrichtung, um weiterzukommen), sowie einige spannende loops auf, in welchen die Geleise eine ansteigende ca. 630  (360+270) Grad Kurve vollziehen und sich dabei per Brücke selber überkreuzen. Nebenbei ist die Bahnstrecke mitsamt ihren alten Lokomotiven UNESCO Weltkulturerbe.

Ein Stück weit bin ich diese historische Strecke gefahren. Die Fahrt begann (wie für Indien üblich) mit einer einstündigen Verspätung. Anscheinend war ein Bindeglied zwischen zwei Waggons defekt. Zehn indische Bahnangestellte widmeten sich dem Problem, kamen aber nicht recht weiter. Schließlich wurde ein ganzer Waggon ausgetauscht. In der Zwischenzeit suchte ich einen nahen Tempel auf und beobachte auch die komplexe Verschiebetätigkeit am urigen Bahnhof von Darjeeling.
Endlich ging es los. Der Reiz der Fahrt wird ein bisschen durch die Straße geschmälert. Fast die ganze Strecke lang bleiben die Schienen in deren Nähe und kreuzen sie gelegentlich. Die Bahn fährt auch sehr dicht an Häusern und Läden vorbei. Man kommt fast in Versuchung nach den frischen Tomaten zu greifen, die nur zehn Zentimeter vor dem offenen Fenster vorbeigleiten.
Die spannendste Stelle der Strecke war der Batastia Loop, besagte 630 Grad Kurve, in deren Mitte sich ein Kriegsdenkmal befindet. Auf dem Rückweg kam ich hier zu Fuß vorüber. Schön ist’s, auf dem Hügel zu stehen und schon von fern die Rauchsäule der nahenden Lokomotive zu sehen und ihre Schnaufen und fröhliches Pfeifen zu hören. Wenn man dann auf der Brücke steht, der Zug unter einem hindurchgleitet, man das Feuer im Kessel lodern sieht und Aschestücke auf einen herabregnen, dann ist dies Eisenbahnromantik pur.
Ich fuhr bis Ghum und besuchte dort das kleine aber schöne Eisenbahnmuseum. Gleich zu Beginn sieht man eine Liste der 1007 UNESCO Welterbestätten. Was für ein lockendes Unterfangen es doch wäre, sie in einem Menschenleben alle zu besuchen…

Von Ghum trat ich zu Fuß den Rückweg nach Darjeeling an und besuchte einige schöne buddhistische Tempel am Wegesrand. Meistens marschierte mitten auf dem Bahngleis. Hier ist man vor den Autos sicher. Die Züge hört man ohnehin schon von weitem. Nahe des Batastia Loops aß ich ein hervorragendes Curry. Am frühen Nachmittag war ich wieder in Darjeeling.

Eine weitere Attraktion des Tages war die japanische World Peace Pagoda, Schwesterstück zu jenen in Lumbini und Pokhara und achtzig anderen weltweit. Ihre Lage am bewaldeten Berghang mit diesen riesigen Bäumen zeichnet das Exemplar von Darjeeling aus. Ein sehr friedlicher Ort. Im buddhistischen Tempel nebenan war gerade eine Art Zeremonie im Gang. Ein Mönch drückte mir eine Art Trommel in die Hand und lud mich ein, mich auf den Boden zu setzen und im Takt  mitzutrommeln. Da saß ich also und trommelte mit Indern und Exiltibetern zu irgendeinem Singsang. Irgendwann wurde mir das ganze dann doch zu eintönig und ich ergriff die Flucht in die Wälder.
Eine Sache, die ich noch erwähnen möchte, ist die relativ starke Unabhängigkeitsbewegung der Region. Der Norden von Westbengalen strebt ev. gemeinsam mit Sikkim die Schaffung eines unabhängigen Gorkhaland an. Auf vielen Gebäuden kann man entsprechende Slogans lesen.
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