44 Rumtek

November 1, 2014 at 12:43 pm (Indien&Nepal)

Obwohl es schon um halb sechs hell ist, muss man bis halb neun Uhr warten, bis man in Gangtok irgendwo frühstücken kann. Dies tat ich dann ausgiebig.
Als ziel des Tages wählte ich mir das Kloster von Rumtek, Exilheimat der buddhistischen Schwarzhut-Sekte. Zuvor erkundigte ich mich noch, inwiefern es möglich war, für den nächsten Tag eine Tour zum Tsomgo See, einem schönen Gebirgssee nahe der chinesischen Grenze, zu organisieren. Es war gar nicht möglich, stellte sich rasch heraus. Für die Gegend östlich von Gangtok braucht man eine zusätzliche Sondergenehmigung und diese werde nur an Gruppen mit maximal vier Personen vergeben. Da ich bisher nur einen anderen westlichen Touristen in Gangtok gesehen hatte, waren die Chancen eine Gruppe zusammenzukriegen äußerst gering. Auch für Nordsikkim herrschen ähnliche Bestimmungen. Wovor haben die Leute denn Angst? Dass ich einen Grenzkonflikt mit den Chinesen anzettle? Die Grenze ist übrigens ziemlich dicht. Niemand darf von Indien über Land nach China einreisen. Touristen dürfen nicht einmal in die Nähe der Grenze. Nur indische Händler dürfen queren, sofern sie am selben Tag wieder zurückkommen.

Das hiesige Transportprinzip, unter welchem Jeeps und Busse erst abfahren, wenn sie zum Bersten voll sind, erwies sich heute als äußerst nachteilig. Über eine Stunde saß ich im Jeep nach Rumtek und wartete auf die Abfahrt. Endlich ging es los. Obwohl man von Gangtok freie Sicht hinüber nach Rumtek auf der anderen Talseite hat, dauert die Fahrt ganze eineinhalb Stunden. Schließlich stand ich vor den Toren des schwer bewachten Klosters.

Es herrscht anscheinend eine gefährliche Kontroverse innerhalb der Schwarhutsekte. Als ihr letzter Führer, der Karnapa (das ist der, der den schwarzen Hut tragen darf), 1993 starb, entstand ein bis heute ungelöster Konflikt um seine Nachfolge. Zwei Kandidaten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Seit ein paar Mönche der einen Fraktion das Kloster gewaltsam erstürmen wollten, wird es von schwer bewaffneten Paramilitärs bewacht.

Es war interessant durch das beachtliche Bauwerk zu schlendern. Auf dem Vorplatz mit seiner Säule, die eine alte Inschrift trägt, veranstalten die Mönche zweimal jährlich einen wilden Maskentanz, bei dem die Fratzen zahlreicher Dämonen lebendig werden. Ein Höhepunkt des Besuchs war der ornamentverzierte Raum der goldenen Stupa zu sehen, welche die Asche des letzten legitimen Karnapa enthält. Ein Foto zeigt ihn strengen Blicks mit seinem schwarzen Hut, welcher, da aus den Flügeln göttlicher Wesen gefertigt, einfach davon fliegen würde, hielte man ihn nicht fest. Jaja.

Nach ein paar guten Momos trat ich die etwas umständliche Rückfahrt nach Gangtok an und gönnte mir dort Kuchen und Tee aus Sikkim.

Am Nachmittag stieg ich noch auf die Hügelkante oberhalb Gangtoks hinauf. Diese ist schön begrünt und weist neben einem großen Springbrunnen auch Aussicht nach West und Ost auf, leider wolkenverhangen. Eine Straße führt weiter hinauf zur Enchey Gompa. Hier stieß ich auf eine deutsche Reisegruppe und lauschte eine Weile lang den Ausführungen der Reiseleiterin zum Buddhaschrein und den anbei stehenden Bodhisatwas. Zufrieden damit, dass ich fast alles schon wusste, lauschte ich noch den Mönchenbei ihrem lauten Gebet, das wahrlich ein akkustisches Erlebnis ist.
Zurück in der Gandhi Marg (der Fußgängerzone) gönnte ich mir exzellentes Paneer Butter Masala mit schräger, chinesischen Lifemusik und hernach im Hotel eine hervorragende Al Jazeera Reportage über Mädchenschulen im heutigen Afghanistan.

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