45 Ravangla

November 2, 2014 at 9:40 am (Indien&Nepal)

Man schläft schlecht, wenn unmittelbar vor dem Fenster ständig Knaller und Feuerwerkskörper explodieren. Ich bin mir immer noch nicht sicher, was eigentlich gefeiert wurde. Diwali war doch schon vor sechs Tagen. Seltsam war auch der Zeitrahmen des Festes. Am Abend war es in Gangtok ruhig gewesen. Kaum Leute auf den Straßen. Ich denke, bis ca. drei Uhr früh recht gut geschlafen zu haben. Dann ging das Knallen los, dann die Musik. Als ich dann gegen ca. vier Uhr morgens leicht benommen aus meinem Fenster blickte, waren die Straßen voll mit Menschen. Familien mit kleinen Kindern, alt und jung, zogen in Festtagstracht umher, eine Band spielte irgendwo traditionelle Lieder und überall krachten die Feuerwerkskörper. Schließlich regneten sogar vom Dach über mir farbige Funken hernieder. Mit Sonnenaufgang war der Spuk vorbei und Ruhe kehrte ein. Hinter den Hügeln sah ich Khangchengdzonga leuchten.
Gegen acht schlenderte ich durch die leere, aber mit Spuren des Festes bestreute, Fußgängerzone. Man sagte mir, dass der nächste Jeep nach Ravangla erst um zwölf Uhr abfahren würde. Ich genoss also einen ruhigen mit Tee, tibetischem Essen und den ersten paar Kapiteln der Mahabharata. O Arjuna, Yudhisthira, ihr wart mir immer schob sympathisch.

Die drei Stunden Fahrt nach Ravangla waren abenteuerlich. Sikkim ist sehr vertikal. Schmale Straßen krallen sich in steile Hänge und winden sich mühsam die Täler hinauf. Ringsum sind saftig grüne Wälder, Felsen und Bäche, manchmal Wasserfälle. Stellenweise lösen sich die Straßen ganz auf und der Jeep muss ein Stück weit einem steinigen Bachbett folgen. Sikkim macht wirklich Lust aufs Autofahren. Nicht selten fühlte ich mich an meine zweiwöchige Tour durch den Westen der USA erinnert, vor allem an die schöne Strecke zwischen Silver City und den Höhlenhäusern von Geela und an die einsame Schotterstraße durch die Steppe New Mexicos südlich des VLA. Wär schon schön hier in Sikkim mit eigenem Fahrzeug unterwegs zu sein. Bequemer wäre es bestimmt.

Wir erreichten Ravangla unter wolkenverhangenem Himmel. Da ich mich wieder über zweitausend Meter befand, war es merklich kühler. Ich nutze den Rest des Tages um die nahe Gompa auf einem Hügel nördlich des Dorfes zu besuchen. Ein atmosphärisches, einsames Klostergebäude grüßte mich im Nebel. Das tiefe Murmeln buddhistischer Mantras erscholl hinter den Mauern. Schön.

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