50 Yuksam

November 6, 2014 at 9:49 am (Indien&Nepal)

Nach ruhiger, schlafreicher Nacht, Tee, Lektüre in der Hängematte und Frühstück hieß es Abschied nehmen. Leider. Gerne wäre ich länger bei Sonam geblieben, doch die Zugtickets in den Süden waren schon gebucht. Khecheopalri ist einer dieser Orte, zu denen man sich sagt, man könnte eines Tages Wiederkehr. Für 180 Euro im Monat kann man hier bequem wohnen und exzellent speisen. Dazu Ruhe und Abgeschiedenheit in wunderschöner Natur. Der Ort lädt ein, einen Monat zu bleiben, vielleicht zwei, zwanzig Bücher zu lesen, vielleicht eins zu schreiben, in die Sterne zu schauen, ein paar Reisende kommen und gehen zu sehen und Glühwürmchen zu zählen. Vielleicht in zehn Jahren … Wer weiß.

Wie dem auch sei, ich verließ den schönen Ort und erwanderte in vierstündiger Wanderung Yuksam. Der Weg war anstrengend doch wunderschön. Abwechslungsreich führte er mich durch winzige Dörfer, verlassene Wälder, steile Täler und über rauschende Wildbäche. In der Wildnis hielt ich ab und zu inne und hielt nach roten Pandas Ausschau. Leider sah ich keinen. Vielleicht war daran mein Begleiter schuld. Kurz nach Khecheopalri hatte sich ein fröhlicher, kleiner, schwarzbrauner Hund an meine Fersen geheftet. Er folgte mir drei Stunden lang, lief mal vor mir, mal hinter mir und immer, wenn ich glaubte ihn verloren zu habe, war er plötzlich wieder da und sah mich fröhlich an. Hin und wieder schien es gar so, als wollte er mir bei einer Abzweigung den richtigen Weg weisen.  Nach drei Stunden begegnete ich zwei Wanderen aus Frankreich und Australien, die von Yuksam kamen und nach Khecheopalri gingen. Ich empfahl ihnen Sonam’s Homestay und sagte ihnen, dass es noch eineinhalb Stunden bis dorthin wären. Die Armen. Sie waren schon weg, als ich auf die Uhr blickte und sah, dass ich in Wahrheit schon doppelt solang unterwegs war. Mein vierbeiniger Begleiter verabschiedete sich jedenfalls von mir und folgte den anderen Wanderern zurück nach Khecheopalri. Ich rastete noch eine Weile auf der Brücke über dem reißenden Fluss, der vom Khangchengdzongamassiv her kommt und begann dann den steilen Aufstieg nach Yuksam, das ich gegen halb eins  erreichte.

Ein günstiges Hotel war schnell gefunden. Theoretisch gab es sogar heißes Wasser. Dazu war aber Strom von Nöten. Und dieser würde bis eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit ausbleiben. Egal. So eine kalte Dusche kann ungeheuer erfrischend sein. Sollte man öfter wagen.
Nach gutem Mittagsmahl im einzigen Restaurant des Ortes und einem kühlen Bier, begann ich den Ort zu erkunden. Yuksam ist aufgrund seiner Lage mit einem regelmäßigen Touristenstrom gesegnet. Das kleine Dorf ist Ausgangspunkt des spektakulären Khangchengdzonga-Treks, der in etwa acht Tagen nach Goecha La auf fast fünftausend Meter Höhe direkt unterhalb des dritthöchsten Berges der Erde führt. Hätte mich gereizt. Doch Trekking ist kompliziert und teuer. Man braucht einige Sondergenehmigungen, eine Gruppe von vier Personen und ein Führer ist ebenfalls obligatorisch. Pro Tag kostet das ganze bis zu fünfzig Dollar.
Trotz dieser Komplikationen traf ich in Yuksam einige Trekker, die auf ihre Genehmigungen warteten. Deutsche, Franzosen, Schweizer, alles da.

Auch historisch hat Yuksam ein bisschen was zu bieten, war es doch die erste Hauptstadt oder der Geburtsort von Sikkim. Der Name Yuksam bedeutet soviel wie „Treffpunkt der drei Lamas „. Und tatsächlich trafen sich hier anno 1641 drei Lamas und beschlossen die Gründung Sikkims. Nahe dem Ortskern kann man eine Art steinernes Podium besichtigen, auf dem sich dieser stastsgründende Akt abgespielt haben soll. Der riesige Nadelbaum gleich dahinter hat es vielleicht miterlebt. Auch sonst hat Yuksam ein paar eindrucksvolle Gompas vorzuweisen. Ein Gebäude ist voll mit riesigen Gebetsmühlen. Man muss schon seine ganze Kraft aufwenden, um eine davon in Bewegung zu setzen. Während ich im Dunkeln scharfes Chili Paneer aß, kam plötzlich der Strom und alle Lichter gingen an. Ich beendete den Tag mit Mahabharata-Lektüre in meinem gemütlichen Bett und freute mich auf den morgigen Wandertag.
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