51 Hongri

November 6, 2014 at 9:52 am (Indien&Nepal)

Nach gutem Frühstück mit hervorragendem Tee war ich gegen acht Uhr morgens schon auf dem Wanderpfad. Dieser führte mich als erstes steil hinauf zur Dubdi Gompa, die – obwohl nur knapp über dreihundert Jahre alt – Sikkims ältestes Kloster ist. Ein paar junge Mönche spielten im Gras. Zurück in Richtung Yuksam sah ich die weißen Schneespitzen über die grünen Hügel lugen. Das Innenleben der Gompa sieht neuer aus, als es ist. Mich estaunten vor allem die Bierflaschen samt Etikett einer hiesigen Brauerei, die direkt vor dem Buddhaschrein als Blumenvasen dienten. Oder will man damit gar ausdrücken, dass Buddha nach seiner Erleuchtung auch Bier gemocht hätte?

Von der Gompa führt ein schmaler Pfad in ein kleines Seitental. Nach Überquerung des Baches auf abenteuerlicher Holzbrücke erreichte ich das Dorf Tsong, von wo ein steiler Pfad durch saftig grüne Kardamonfelder hinauf zu einer Hügelkuppe und weiter durch Viehweiden hinauf zur Hongri Gompa führt. (Auf einem Hinweisschild steht tatsächlich „Hungry Gompa“.) Die Gompa ist nichts besonderes, die Aussicht aber gewaltig. Man sieht hinab auf den imposanten Hügel von Tashiding, hinüber nach Ravangla und Pelling, sowie weit hinaus ins Tal des Great Rangeet River. Laut Lokalfolklore wurde die Hongri Gompa von einer höheren Position hierher verlegt, da am ursprünglichen Standort die Mönche von einem Yeti heimgesucht wurden.

Obwohl Tashiding per Luftlinie schon nahe war, galt es dem Verlauf eines weiten Talkessels zu folgen, bevor man dem Ort endlich näher kam. Hoch über Tashiding erreichte ich schließlich die dreihundert Jahre alte Sinon Gompa, wo ich im Schatten eines Chorten rastete und die herrliche Aussicht hinab nach Tashiding und die zwei Täler, die es umschließen, genoss.

Nach steilem Abstieg war ich dort. Der Marsch hatte sieben Stunden gedauert. Ein nettes, blaues Hotel war schnell gefunden. Die Chefin machte mich darauf aufmerksam, dass ich auf manche Stellen des Holzbodens besser nicht treten sollte. Man breche leicht ein. Es gab sogar heißes Wasser, allerdings nur aus einem hüfthohen Wasserhahn. Mit einem kleinen Plastikeimer lässt es sich aber auch so wunderbar duschen. Bald saß ich bei einem kühlen Bier auf dem kleinen Balkon, blickte hinüber auf den  aufgehenden, fast vollen Mond und die Täler in der Dämmerung und genoss es ausgiebig, mich nicht zu bewegen.

image

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: