52 Tashiding

November 8, 2014 at 4:44 pm (Indien&Nepal)

Nach erholsamem Schlaf stand ich mit der Sonne auf und verließ ohne in den Boden einzubrechen meine Herberge. Mein Ziel war die Gompa von Tashiding. Der Weg dorthin führte mich dreißig Minuten den Hügel empor, vorbei an hunderten bunten Gebetsfahnen, an großen mit Om mani padme hum Schriftzug bemalten Steinen und durch die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Bäumen. Desto höher ich kam, umso weiter wuchsen auch die Berge hinter den Hügeln empor. Ich sah sie heute nicht zum letzten Mal, nur zum vorletzten Mal.

Gegen halb sieben Uhr erreichte das buddhistische Kloster. Einige alte Frauen setzten eben die Gebetsmühlen in Bewegung. Es gibt hier fünf monastische Bauten, ein Areal mit dutzenden Chorten (eine goldfarben, die übrigen weiß, manche mit Augen), sowie hunderte mit Mantras verzierte Steine. Es heißt, dass man beim Anblick eines bestimmten Chorten (nicht des goldenen) all seiner Sünden enthoben wird. (Mit irgendetwas muss man die Gläubigen locken. Der historische Sakyamuni würde angesichts all dessen wohl ein neues Mudra kreieren – das Facepalm-Mudra.)
Das Hauptgebäude der Gompa hat übrigens vor einigen Jahren sogar der Dalai Lama zur zweitägigen Mediation genutzt. Die Sicht auf die Berge ist von dort auch nicht schlecht.

Zurück im Straßendorf Tashiding gönnte ich mir erst einmal ein gutes Frühstück und dachte dann über meine Weiterreise nach. Viel hatte ich heute nicht mehr vor. Es galt lediglich an einen Ort zu gelangen, von wo ich morgen rechtzeitig nach Siliguri weiterreisen könnte, um dort meinen Zug, den Testa Torsa Express,
nach Kolkata zu erwischen. In Frage kamen unter anderem Namchi und Jorethang, beide nahe der Grenze nach Westbengalen. Ersteres hatte ich schon gesehen, letzteres war mir als heiß und unansehnlich beschrieben worden.  Wieso also nicht meine letzte Nacht in Sikkim an einem  Ort verbringen, der mir nicht nur herrliche Bergsicht, sondern ein gemütliches Hotel und obendrein funktionierended WLAN bot. Ich fuhr ein zweites Mal nach Pelling. Hier kannte ich mich aus, hier gab es – obwohl die Grenze drei Stunden weit weg war – einen Morgenbus nach Siliguri, der mich hoffentlich rechtzeitig zum Bahnhof bringen würde. Der Abend kam. Ich genoss die Sicht auf die Berge im Abendrot, gute Momos, Tee und Chowmein und die Vorzüge des Internets.

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