53 Testa Torsa Express

November 8, 2014 at 5:11 pm (Indien&Nepal)

Der Morgen schenkte mir einen letzten Blick auf das majestätisch Khangchengdzongamassiv bei Sonnenaufgang. Über vierzig Tage lang war ich in und nahe den Bergen des Himalaya gereist. Diese Zeit war nun vorbei. Ich verabschiedete mich von Bergen und Buddhismus, aß noch schnell banana poridge und begab mich auf die Reise ins heiße, hinduistische Flachland. Die Chefin hing mir beim Verlassen des Hotels noch einen zerfransten, weißen Schal um, „for good luck“. Das Ding hat sich inzwischen im Reißverschluss meines Rucksacks verfangen und blockiert diesen. Bad luck.

Die lange Fahrt über zweitausend Höhenmeter weit hinab in die Ebene war lang und mühselig. Der Bus des Sikkim National Transport hatte zu kämpfen, um sich auf der größtenteils nicht asphaltierten Straße zu halten. An manchen Baustellen gab es lange Wartezeiten. Durch die Fenster weht der Staub der Straße herein. Überholende und entgegenkommende Fahrzeuge hinterlassen erstaunlich sichtbare Rußspuren. Ich hatte die meiste Zeit meinen Ellbogen aus dem Fenster gelehnt. Man konnte dabei zusehen, wie er schwarz und schwärzer wurde.
Dem Wasser folgend erreichten wir Jorethang und fuhren von dort den Rangeet Fluss entlang bis zu dessen Mündung in den Teesta Fluss. Hier verließen wir Sikkim über die Brücke nach Westbengalen. Die Straßen wurden etwas besser. An einer Stelle hatte es einen Unfall gegeben. Ein Jeep war in den Fluss gestürzt und offenbar darin verschwunden. Ein Kran suchte danach. Erst nach einer halben Stunde konnten wir passieren. Obwohl mein Zug nicht „The Darjeeling Limited“ hieß (und auch nicht „Darjeeling Mail „, welcher tatsächlich auf der Strecke Siliguri-Kolkata verkehrt) begann ich mich allmählich wie Bill Murray im Vorspann von Wes Andersons gleichnamigen  Film zu fühlen.

Wir erreichten Siliguri mit zweieinhalb Stunden Verspätung. Das war in Ordnung. Ich hatte damit gerechnet. Doch noch war ich nicht am Bahnhof.  Um Schmutz und Ruß nicht zu vermehren, nahm ich mir vom Busstopp eine Fahrradriksha zur NJP railway station. Das von einem alten, doch rüstigen Fahrer manövrierte Gefährt brachte mich binnen dreißig Minuten auf Nebenstraßen und mitten durch Gemüsemärkte zum Bahnhof. Einmal mehr fühlte ich mich wie Bill Murray in „The Darjeeling Limited „, doch im Unterschied zu ihm erwischte ich meinen Zug.

Der Testa Torsa Express verließ New Jalpaiguri fast pünktlich und begann seine Reise südwärts entlang des sehr schmalen Westbengalens, eingezwängt zwischen Bihar und Bangladesch. Teilweise verläuft die Bahnlinie fast direkt entlang der Grenze.  In der Abendämmerung konnte ich auf die weiten Felder der armen Nachbarnation im Osten hinüberblicken.

Nach ein bisschen Konversation mit den netten, jungen Leuten aus Malda und einer Tasse Tee kletterte ich schon bald in meine Schlafkoje und schlief mit kurzen Pausen bis in den Morgen hinein.

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