59 BBV Chennai Super Fast Express

November 14, 2014 at 7:14 am (Indien&Nepal)

So ein Tag im Zug kann faszinierend sein, vor allem in Indien.
Morgens verließ ich das beschauliche Puri und nahm, da es von hier aus keine Direktverbindung nach Chennai gab, einen Bus nach Bhubanesvar. Hier, am bisher saubersten und übersichtlichsten Bahnhof dieser Reise, bestieg ich den BBV-Chennai Superfast Express, der in nur zwanzig Stunden die 1223 Kilometer bis nach Chennai zurücklegt, großteils entlang der Küste.

Die ersten vier Stunden der Fahrt verbrachte am Fenster sitzend und betrachte sowohl die vorüberziehende Landschaft, wie auch die bunte Folge von Menschen, die sich ihren Weg durch den Waggon bahnten. Im Minutentakt kommen Händler vorbei und rufen ihre Waren aus. Ob Tee, Kaffee, Pani/Water, kalte Softdrinks, Snacks, warme Speisen in Aluverpackung – alles ist jederzeit zu haben. Manche verkaufen auch Schlösser zum Sichern des Gepäcks, manche Spielzeug, andere reparieren Reißverschlüsse. Ein ständiger Strom von Angeboten. Der Tee ist wirklich sehr gut, das Essen ebenso. Neben den Händlern und den Zuggästen selbst gibt es auch viele Bettler, eine Schar beklagenswerter Gestalten, die den Korridor entlang humpeln. Vielen fehlen Beine oder Hände. Traurig, dass diese Menschen darauf angewiesen sind, bettelnd durch volle Züge zu traben. Was es aber mit den Männern in Frauenkleidern auf sich hat, die sich vor einen hinstellen, in die Hände klatschen und aus irgendwelchen Gründen Geld wollen, ist mir schleierhaft.

Doch auch draußen gab es viel zu sehen. Südlich von Bhubanesvar passierten wir den großen Süßwassersee Chilika, ein etwa eintausend Quadratkilometer großes Refugium und Winterziel vieler Zugvögel aus ganz Asien. Bald erreichten wir die Grenze in der riesigen Provinz von Andhra Pradesh. Diese würde ich nur vom Zug aus sehen. Ich sah weite, grüne Felder, Palmenwälder, Hügel in der Ferne. So leer an Siedlungen und Menschen habe ich Indien bisher nirgendwo gesehen. Erfrischende leere, grüne Welt. Wir verließen eben die Stadt Vizianagaram, als das letzte Tageslicht verschwand. Ich kletterte in meine Koje und schlief ein.

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