87 Mumbai II

Dezember 15, 2014 at 3:27 pm (Indien&Nepal)

Als Hauptprogrammpunkt dieses Tages hatte ich mir ein weiteres UNESCO Weltkulturerbe erwählt: die Höhlen der Insel Gharapuri, besser bekannt als Elephanta.

Nach bekömmlichem Frühstück bei Starbuck’s (Ich floh, als sie dort „Last Christmas“ spielten.) schritt ich einmal mehr zum Gate of India. Direkt dahinter fahren die Bote nach Elephanta ab. Während der einstündigen Fahrt hat man schöne Aussicht auf Taj Mahal Palace Hotel und Gate of India, später auf Fischkutter, Containerschiffe, Kriegsschiffe und riesige Öltanker. Der Tag war leicht ne
belig. Viele große Schiffe erschienen wie aus dem Nichts. Dann endlich sah man die Umrisse der grünen Hügel der Insel Elephanta.

Der Landungssteg, an dem die Boote anlegen, ragt weit ins Meer hinaus. Man braucht fast zehn Minuten bis man das eigentliche Ufer erreicht. Alternativ kann man auch die kleine Schmalspurbahn nehmen. Ein Kai mit Eisenbahn darauf ist irgendwie nett.

Über steinerne Stufen erklomm ich die Hügel von Elephanta und erreichte schließlich die von Menschenhand aus dem Stein gehauenen Höhlen mit ihren mächtigen Säulen und kunstvollen Gravuren, die allesamt die bekannten Legenden rund um Shiva zeigten, den Tanz, die Hochzeit mit Parvati, das Niederringen von Dämon, etc. Im Hintergrund tauchen auch Brahma, Vishnu, Ganesha, Garuda und sogar Indra immer wieder auf.

Es ist historisch nicht genau geklärt, welche Kultur diese Kunstwerke hervorgebracht hat. Datiert werden sie jedenfalls auf das fünfte bis achte Jahrhundert. An Detailreichtum und Kunstfertigkeit sind die Gravuren im Stein von Elephanta die beeindruckensten meiner bisherigen Reise, noch schöner sogar als jene von Mamallapuram. Nur leider sind viele der kunstvollen Figuren im Stein stark zerstört. Die Ursache hierfür ist haarsträubend. Die portugiesischen Soldaten, die auch der Insel ihren Namen gaben, als sie dort als erstes eine Elefantenskulptur sahen, haben die Höhlen für Schießübungen missbraucht und dabei viele Gravuren so stark entstellt, dass man nicht einmal mehr eindeutig sagen kann, welche Götter sie zeigen.

Neben der faszinierenden Haupthöhle gibt es noch weitere Höhlen, welche aber alle unvollendet geblieben sind. Teils ist man nur bis zum Eingangsportal gekommen. Auf dem ganzen Gelände wimmelt es nur so von neugierigen Affen, die den Besuchern nur zu gerne Snacks und Wertsachen entwenden.

Nachdem ich alles gesehen hatte, nahm ich die erste Fähre zurück nach Mumbai und stand schon kurz nach ein Uhr Nachmittags wieder vor dem Gate of India.

Bevor ich wie geplant das Prince of Wales Museum aufsuchte, galt es meinen Hunger zu stillen. Dies tat ich in einem noblen Meeresfrüchterestaurant, nur wenige Gehminuten vom Museum entfernt.

Die außergewöhnliche Schönheit des  Museumsgebäudes habe ich gestern schon beschrieben. Nun trat ich ein. Das ausgesprochen freundliche Museumspersonal versorgte mit  Audioguide und Eintrittskarte. Sogar Fotografieren war erlaubt – für Indien eine Seltenheit. Zwei Stunden lang bestaunte ich die diversen Ausstellungsstücke: Buddhistische, hinduistische und jainistische Skulpturen, farbenfrohe Minuaturmalerei, alte Waffen, Elfenbeinschatullen, europäische Gemälde, tausend Schnupftabakfläschchen aus Jade, Bernstein und Glas, tibetische Bronzekunst, Numismatik, ausgestopfte Tiere, und, und, und. Die temporäre Ausstellung widmete sich eben dem Leben von Alice Boner. Wer alle meine Berichte gelesen hat, kennt sie noch von Varanasi, wo ich schon vor fast drei Monaten einige Werke der indienaffinen Schweizerin bestaunte. Alles in allem war das Museum von Mumbai (eigentlich nur eines von vielen dieser Stadt – aber man hat halt nicht für alles Zeit) eines der besten dieser Reise. Der Audioguide plagt sich allerdings ein bisschen zu sehr, als Person zu gelten. „Dieses Gemälde ist mein persönliches Lieblingsstück in dieser Galerie…“ „Treffen wir uns doch bei Nummer 15 wieder. Ich warte dort auf dich.“ Irgendwie schräg.

Nach drei Versuchen fand ich endlich einen Taxifahrer, der nicht überteuerte Preise nannte, sondern einverstanden war, seinen Kilometerzähler  einzuschalten. Von ihm ließ ich mich zum Marine Drive bringen, Mumbais kilometerlanger Uferpromenade, die das Arabische Meer überblickt. Es ist ein beschaulicher Ort. Auf der Mauer zum Meer sitzen in regelmäßigen Abständen Liebespärchen. Man findet aber auch StudentenInnen und SchülerInnen, die die Mathe-Hausübung besprechen. Wie überall, wo Inder sind, patrouillieren Tee- und Wasserverkäufer. Ich setzte mich ebenfalls auf die Mauer, sah die Gebäude entlang des Ufers allmählich im Dunst verschwinden, beobachte den Sonnenuntergang und las in der Mahabharata das erfreifende Kapitel von Bhishmas Tod. Diese Stunde am Ufer des Arabischen Meers bei Mumbai war auch ein Abschiednehmen vom Meer. Auf dieser Reise würde ich es jedenfalls nicht mehr sehen. Überhaupt weiß ich nicht, wann ich das Meer – außer vom Flugzeug aus – wieder sehen werde. So ein Abschied vom Meer hat immer etwas Melancholisches an sich. Die Sonne verschwand am Horizont.

Eine Stunde später saß ich in der noblen Harbour Bar des Taj Mahal Palace Hotels. Es war gar nicht so leicht gewesen, diese im riesigen Hotel zu finden. Die prunkvolle Lobby und die glitzernden Korridore und Stiegenhäuser sind ein wunderschönes Labyrinth. Fotos an den Wänden zeigen prominente Besucher des Hotels, von John Lennon und Yoko Ono bis Obama. Die Bar selbst ist vergleichsweise langweilig. Jene im alten Kolonialhotel von Pnom Penh in Kambodscha hatte mich damals weit mehr beeindruckt. Spannend war es allerdings in die Gespräche an den Nebentischen reinzuhören. Ich saß  inmittenn wohlhabende Exilsyrer, sich auf Englisch unterhaltender High Society Inder und amerikanischer Manager, die mit einem Typen aus Malaysia besprachen, ob sie irgendein Business nun mit Singapur oder doch mit den Chinesen abschließen sollten.

Man merkte am Klientel, dass ich mich hier in der exquisitesten Bar Indiens befand. Die Cocktails sind fast so teuer wie zu Hause in Kufstein im Stollen. Ich hatte einen Bombay Blazer. Der Kellner mixte direkt an meinem Tisch. Es war eine beachtliche Feuershow, wie er den brennenden Gin von einem Becher in den andern und schließlich in mein Cocktailglas goss, wo das Feuer erlosch.

Per Taxi gelangte ich schließlich zurück ins nächtliche Gassengewirr des muslimischen Viertels, eine ganz andere Welt. Auf dem Weg war mir ein weiterer Blick auf den strahlend erleuchteten CST vergönnt. Herrlich.
Ich erreichte das Hotel. Es war ein langer Tag, der müde macht. Der Gedanke, morgen hauptsächlich in Zügen zu sitzen, war nicht unangenehm.

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