90 Ajanta

Dezember 18, 2014 at 3:45 pm (Indien&Nepal)

Nachdem ich mir einmal mehr mein Frühstück aufs Zimmer hatte bringen lassen, verließ ich mein Hotel in Aurangabad endgültig und nahm den nächsten Bus nach Ajanta. Zweieinhalb Stunden später war ich dort. Ohne Probleme konnte ich meinen Rucksack bei den Sicherheitsleuten am Parkplatz  lassen. Ein Shuttle brachte mich zu den Höhlen.

Ajantas alte Tempelstätte hat zwei schöne Zugaben, die Ellora fehlen. Zum einen sind da die farbenfrohen Fresken an den Wänden, zum anderen die wunderschöne Lage in einer engen, hufeisenförmigen Schlucht. Etwa dreißig Höhlen, manche mehrstöckig, gibt es hier zu erkunden, alle davon buddhistisch. Staunend ging ich von Höhle zu Höhle. Obwohl es auch schöne Skulpturen gibt (darunter ein fünf Meter langer, liegender Buddha), sind die Fresken an Wänden und Decke das wahre Highlight. Darunter findet man solch farbenfrohe, detailreiche Wandgemälde wie Bodhisattva Padmapani, Maras Versuchung oder das Wunder von Sravasti. Die emotionale Ausdruckskraft der Figuren darauf ist erstaunlich. Hebt man den Blick ein wenig weiter, entdeckt man wundersame Deckenmalereien. In Höhle Nr. 16 findet man schließlich das Fresko Die sterbende Prinzessin. Es zeigt vermutlich Sundari, die Gattin von Buddhas Halbbruder Nanda. Sie stirbt vor Gram, als sie erfährt, dass ihr Mann den Palast verlassen hat um von nun an ein Mönchsleben im Wald zu führen. Ein gewisser J. Griffiths (wer immer das auch sein mag) schrieb über dieses Bildnis: „Im Bezug auf Pathos und Emotion wird dieses Bild in der Geschichte der Kunst von nichts übertroffen. Die Florentiner hätten es besser gezeichnet, die Venezianer bessere Farben gefunden. Doch weder die einen noch die anderen hätten je diese Ausdrucksstärke erreicht.“
Naja, das ist vielleicht etwas übertrieben.

Vor fast allen Höhlen, muss man sich übrigens die Schuhe ausziehen, um eingelassen zu werden. Nachdem ich sie alle erkundet hatte, genoss ich ein gutes Gemüsecurry im nahen Restaurant. Ich kam dabei mit einem freundlichen Franzosen Mitte siebzig ins Gespräch – natürlich auf Französisch. Er war vor vierzig Jahren schon einmal hier gewesen und hatte sich nun den Wunsch erfüllt, einmal noch die Höhlen von Ajanta zu sehen. Sie gehörten zu den beeindruckendsten Orten, die er in seinem Leben gesehen hatte.

Nach dem Essen erklomm ich noch den Hügel gegenüber den Höhlen auf der anderen Seite des Flusses. Die Aussicht von dort auf die Nordwand der Schlucht mit ihren wunderschönen Eingangsportalen ist fantastisch. Im Südwesten kann man das grüne Tal überblicken, das in See und Wasserfall endet. Ein schöner Ort, um zu verweilen, zu lesen, zu denken – wenn da nur nicht dieser lästige Souvenirverkäufer wäre. Ein paar indische Touristen wollten sich wie üblich mit mir fotografieren lassen. Ich sträubte mich nicht.

Per Shuttlebus ging’s zurück zur Straße. Dort wartete ich eine Weile auf den nächsten Bus nach Norden und plauderte indes mit ein paar gesprächigen Muslimen aus der Gegend. Nette Leute. Der volle Bus brachte mich binnen zwei Stunden nach Jalgaon. Dort machte ich es mir am Bahnhof bequem, aß zu Abend und wartete auf meinen leicht verspäteten Zug nach Nagpur, weit im Nordosten von Maharashtra.

Der Zug kam, ich fand meine Koje umgeben von kritisch blickenden älteren Inderinnen und schlief schon bald ein.

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