94 Madhya Pradesh

Dezember 20, 2014 at 10:53 am (Indien&Nepal)

Sobald es tagte, floh ich aus meiner eiskalten Unterkunft und marschierte zum modernen Bahnhof von Jabalpur. Dabei kam ich an ein paar schönen Moscheen und am imposanten Uhrturm der sehr modern anmutenden Stadt vorüber.

Ohne Wartezeit konnte ich gleich den nächsten Zug nach Satna nehmen. Der am Bahnhof erstandene Kaffee und die Kekse waren mein Frühstück. Vier Stunden lang ließ ich mich auf Schienen nach Norden tragen. Dann gab’s ein gutes Thali am Bahnhof von Satna. Per Fahrradriksha gelangte ich zum Busbahnhof und saß schon bald im Bus nach Panna. Während wir durch die recht dünn besiedelte Landschaft fuhren, plauderte ich ein wenig mit dem alten, freundlichen Busschaffner. Sein Englisch war recht brüchig, doch ausreichend. Er lachte laut auf, als ihm erzählte, dass ich vier Monate alleine in Indien unterwegs war, ohne hier jemanden zu kennen. Wir redeten über meinen Beruf. Er gratulierte mir zu meinem PhD. (Im Unterschied zu Österreich weiß hier auch jeder gebrochen Englisch sprechende Fahrkartenkontrolleur was ein PhD ist.)

In Panna wechselte ich den Bus und ließ mich die letzten eineinhalb Stunden nach Khajuraho bringen. Ein freundlicher Herr, der denselben Weg hatte, teilte sich eine Packung Erdnüsse mit mir. Da der Bus nur bis zum Bahnhof von Khajuraho fuhr, welcher neun Kilometer außerhalb liegt, musste ich mir für das letzte Stück ein Tuktuk nehmen. Der Fahrpreis war verdächtig billig, doch mein Misstrauen war ausnahmsweise unbegründet. Weder wollte mich der Fahrer in ein bestimmtes Hotel bringen, noch mir irgendwelche Shops zeigen. Ich kam genau dorthin, wo ich hinwollte, ins von Lonely Planet empfohlene Hotel Zen.

Der Empfang war sehr angenehm. Gutes WLAN, heißes Wasser, ein angemessener Preis – welch Unterschied zur letzten Unterkunft. Bei meiner Ankunft servierte man mir sogar gratis Zitronentee und Früchte. Selten war eine heiße Dusche so erfrischend. Zum Abendessen gab’s in einem nahen Restaurant eine ausgezeichnete Pizza. So zur Abwechslung wieder einmal westlich zu essen, war mir eine Freude.

Zurück im Hotel eröffnete mir der Boss, dass ich am Abend des nächsten Tages ein gratis Thali bekomme. Ich mag mein Hotel.

Das Hauptereignis des Tages war aber, dass ich irgendwo zwischen Satna und Panna nach vielen Wochen endlich das Ende der Mahabharata erreichte. Obwohl die ethische Gesamtaussage des Epos klar abzulehnen ist, lässt sich der weltliterarische Wert dieses Werkes nicht leugnen. Es war mir ein überraschend großes Lesevergnügen. Spannend und facettenreich entführt die Mahabharata in eine längst vergangene (und teils nie gewesene) Zeit. Es ist erstaunlich, dass Griechenland und Indien im gleichen Zeitalter einander so ähnliche Epen hervorbrachten wie Ilias und Mahabharata. Da gibt es so viele Parallelen. Faszinierend.

image

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: