108 Jaipur II

Januar 3, 2015 at 3:51 pm (Indien&Nepal)

Der erste Tag des neuen Jahres bescherte mir wieder ein ganz besonderes Reisehighlight. Der auf einer Anhöhe befestigte Palast der alten Hauptstadt zehn Kilometer nördlich von Jaipur wirkt nicht nur, als befände man sich in einem Fantasy-Roman, er heißt auch so: Amber.

Obwohl keinerlei Verbindung zu Roger Zelaznys Amber Chronicles besteht, kommt das Fort von Amber der Vorstellung, die ich von Corwyns Amber hatte, recht nah. Nicht so schön, doch weitläufiger als Amber Fort ist das auf dem Hügelkamm darüber gelegene Jaigarh Fort. Mitsamt den vielen Verteidigungswällen auf den Hügeln ringsum und den schönen Wasserreservois bilden die beiden Forts ein zauberisches Ensemble einer Märchenwelt aus Träumen.

Doch gehen wir’s chronologisch an. Den Vormittag verbrachte ich großteils in Albert Hall, einem der wohl schönsten Museen dieser Reise. Neben vielen Kunstschätzen aus der Region, von Töpferei bis Miniaturmalerei, findet man dort etwa auch eine ägyptische Mumie, die der Maharaja bei einem Kairobesuch erstand. Auch schöne Schwerter gibt es wieder. Man könnte ein ganzen Tag in diesem Museum verbringen, so reich und vielfältig sind die Exponate, so schön das Gebäude im indo-sarazenischen Stil.

Später fuhr ich dann im zum Bersten vollen Bus (auch ein Erlebnis) nach Amber und verbrachte dort den Rest des Tages.

Von den Gärten am Ufer des Maota Sees blickte ich hinauf zu den breiten gelblichen Mauern und Türmen des weitläufigen Amber Forts, über dem noch viel höher gelegen das Jaigarh Fort liegt. Ein steinerner Pfad führt in Serpentinen zum Fort empor. Auf halber Strecke ließ ich eine Folge schön geschmückter Elefanten an mir vorüberziehen. Sie trugen Touristen zum Fort hinauf.

Im Fort selber gibt es viel zu sehen. Vor allem das große, mosaikgeschmückte Ganesh Tor, die glitzernde Siegeshalle und die versteckten Gemächer der Damen sind sehenswert. Schön ist es aber auch, an diversen Stellen die weite Aussicht auf die hügelreiche Landschaft zu genießen. Der Blick hinab auf den bunten, geometrischen Garten auf einer Insel im See lässt staunen.

Etwas übertrieben geraten ist der Audioguide, der den Besucher durch das Fort führt. Dass die einzelnen Tore und Höfe in sentimentaler Ich-Form erzählen, wer alles durch sie hindurch geschritten ist, wirkt doch etwas lächerlich. Wenn dann auch noch das personifizierte Amber Fort zu Wort kommt und das ebenfalls sehr gesprächige Jaigarh-Fort als älteren Bruder lobt, ist es nur mehr lächerlich. An einer Stelle fragt dann die weibliche Stimme der Siegeshalle, wen der Haupterzähler denn heute mitgebracht habe. Gemeint ist der Besucher, den der Audioguide dann als „someone very special“ bezeichnet. Seufz. Kann das Ding nicht einfach die historischen Fakten ausspucken? Trotz Audioguide war es eine schöne Tour.
Nach Kaffee und Sandwich stieg ich schließlich steil hinauf zum Jaigarh Fort.

Die Schönheit der Aussicht wird dort oben noch einmal potenziert. Allein das Amber Fort nun aus der Höhe von oben zu betrachten, ist schon reizvoll. Die steinernen Schlangen der Verteidigungswälle ziehen den Blick weit mit sich mit entlang leerer Wüstenhügellandschaft. Greifvögel kreisen in der Ferne.

Im Inneren des weitläufigen Jairgarh Forts gibt es ein paar nette Ausstellungen. Die meisten indischen Besucher kommen aber wegen der weltgrößten Kanone auf Rädern, welche nur ein einziges Mal zum Test abgefeuert wurde. „Weißt du’s noch?“, sagt im Audioguide das eine Fort zum anderen. „Ja, war das ein Knall.“ Jaja.

Besonders reizvoll fand ich es, die weiten Außenmauern des Forts entlang zu spazieren und die Aussicht zu genießen. Hier traf ich neben vielen Menschen auch drei sympathische Languren, die von irgendwoher ein Eis am Stiel aufgetrieben hatten. Ein jeder der drei lutschte ganz in Menschenmanier langsam an seinem Eis. Man konnte sich den Affen bis auf einen Meter nähern, ohne dass sie sich gestört fühlten. Schöne Kreaturen.

Im Sonnenuntergang stieg ich vorbei am Amber Fort wieder hinab zum See und zwängte mich in den nächsten vollen Bus zurück nach Jaipur. Amber würde mir als einer von vielen Höhepunkte dieser Reise in Erinnerung bleiben.

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