110 Jailsamer I

Januar 6, 2015 at 9:08 am (Indien&Nepal)

Nach ruhiger Fahrt bei gutem Schlaf erwachte ich im noch fahrenden Zug und verbrachte dort einen angenehmen Vormittag bei Lektüre und Aussicht auf die vorbeigleitende Wüstenlandschaft. Tee und Samosas der durch den Zug streifenden Händler machten die Fahrt noch angenehmer.

Kurz nach Mittag erreichte der Zug das Ende der Bahnstrecke: die Stadt Jaisalmer im Westen Rajasthans. Wieder einmal alle Tuktuks und Taxis ignoriernd, bahnte ich mir meinen Weg zur nahen Burg. Diese ist auf ihrem Hügel viel weitläufiger als Amber oder Jaigarh Fort. Das, was die Feste zu Jaisalmer aber vor allem auszeichnet, ist ihre Lebendigkeit. Sie ist kein toter Ort, den man nur mit Ticket und Guide erforscht. Hinter den hohen Mauern verbergen sich belebte Gassen. Wohnhäuser, Restaurants, Hotels, Tempel – alles findet im spärlichen Raum Platz. Nachdem ich die Burg entlang einer Rampe durch drei imposante Tore hindurch betreten hatte, fand ich dort hoch über Stadt ein schönes, günstiges Hotel mit ausgesprochen nettem Eigentümer.  Wenig später saß ich in einem Restaurant mit Wüstenblick direkt auf den Mauern der Burg. Immer wieder schön anzukommen. In seiner Gesamtheit erinnert die Burg von Jaisalmer sehr an das ferne Carcassonne, dem vorläufigen Endpunkt meiner Fernwanderung auf dem E4. Wann ich wohl wieder dort sein würde?

Nachdem ich meine Kamelsafari für den folgenden Tag (und die Nacht) organisiert hatte, erkundete ich das Burgschloss, von wo einst die Maharawals von Jaisalmer geherrscht hatten. Wie verwirrend und interessant es doch ist, dass die Herrscher der einzelnen Rajput-Klans unterschiedliche Titel tragen: Maharana in Udaipur, Maharawal in Jaisalmer und Maharaja in Jaipur. Jodhpur hat auch einen Maharaja. Von Bikaner weiß ich es nicht.
Beim Besuch des Burgschlosses fällt auf, dass die Maharawals nicht mit dem Prunk von Udaipur und Jaipur mithalten konnten. Dazu ist die Gegend zu arm und zu trocken. Angeblich kann ein Kind hier bis zu sieben Jahre alt werden, bevor es das erste Mal Regen sieht. Dank frühem Raubrittertum und nahen Handelswegen erreichte die Stadt aber doch beachtlichen Wohlstand. Dreimal in ihrer Geschichte, als Eroberung drohte, verübte man kollektiven Selbstmord. Die Frauen stiegen der Reihe nach ins Feuer, während die Männer ohne Rüstung dem Feind entgegenritten.

Die Aussicht vom Turm des Burgschlosses lässt am Horizont viele Windräder erkennen. Diese produzieren den Strom für das Militär, welches die nahe pakistanische Grenze bei Nacht mit Flutlicht beleuchtet.

Viel hatte ich heute nicht mehr vor. Ich trank ein gutes Vanilla-Lassi, spazierte durch die Gassen der Burg und aß schließlich mit schöner Aussicht zu Abend.

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