112 Jaisalmer III

Januar 6, 2015 at 9:11 am (Indien&Nepal)

Die Sonne geht hier im äußersten Westen des Ein-Zeitzonen-Landes Indien sehr spät auf. Um sechs Uhr morgens herrscht noch tiefe Nacht. Da der Mond um etwa diese Zeit fast so rot wie die Sonne hinter den Dünen versank, wurde die Nacht kurz nach sechs sogar ein bisschen dunkler als sie es bisher gewesen war. Man sah plötzlich mehr Sterne. Schnell aber wurden diese vom östlichen Schein der Morgendämmerung wieder verscheucht. Nur die Planeten waren länger sichtbar. Kurz nach halb acht ging dann die Sonne auf.

All dies sah ich unter meinen drei warmen Decken am Boden liegend. Bald jedoch lockte Abdullahs heißer Tee zum Aufstehen. Nach einem kleinen Frühstück hieß es Abschied nehmen. Richard und Christa, die beiden Amerikaner, ritten mit Abdullah tiefer hinein in die Wüste. Ich selbst ritt auf Bablu hinter Abbas her, der mich binnen zwei Stunden zurück zur Straße führte. Hier wartete ein Jeep und brachte mich zurück nach Jaisalmer.

Kurz vor Mittag war ich wieder dort. Ich genoss eine Weile lang den Komfort meines Zimmers und besuchte dann die drei schönen Jain-Tempel auf der Burg. Ich hatte diese schon mehrmals passiert. Die Gasse zu meinem Hotel führte direkt daran vorbei und teilweise sogar unter dem Tempelgebäude hindurch. Die Zugangsbeschränkungen sind beachtlich. Die Tempel sind für Nicht-Jainisten nur zwischen elf und eins geöffnet. Schuhe und sämtliche Lederprodukte (Geldtaschen, Gürtel) sind nicht erlaubt. Weiters weist ein großes Schild darauf hin, dass Frauen während ihrer Periode draußen bleiben müssen.

Im Inneren der sechshundert Jahre alten Tempel fand ich, wie schon in den Jainheiligtümern von Ellora und Khajuraho, erstaunlich kunstvolle Steinarbeiten. Schöne Gravuren zieren jeden Quadratzentimeter der Innenräume und Außenwände, der Säulen und Kuppeln dieser beeindruckenden Gebäude. Gezeigt werden Gottheiten sowie Szenen des täglichen Lebens.

Nach gutem Mittagsmahl in der Sonne über den Mauern, verließ ich die Burg um die Stadt ringsum zu erkunden. Hier findet man wunderschöne Havelis – alte, prunkvolle Stadthäuser mit bis zu sechs Stockwerken und prunkvollen Steinarbeiten, vor allem auf den Außenfassaden und in den Innenhöfen. Manche Havelis kann man betreten und von Innen erforschen. Auf den Straßen ringsum herrscht das übliche Treiben der Händler und Betrüger. Dazwischen ziehen heilige Kühe friedlich dahin.

Nachdem ich die Burg umrundet hatte, zog ich mich noch einmal in mein Zimmer zurück, um dann später bei herrlichen Blick auf zwei der drei Burgtore zu Abend zu essen.

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