113 Jodhpur I

Januar 7, 2015 at 3:33 am (Indien&Nepal)

Es war noch tiefe Nacht, als ich um halb sechs Uhr morgens durch die inzwischen so vertrauten Burgtore hinab in die Stadt und von dort zum Bahnhof schritt. Die erste Hälfte dieses nächtlichen Spaziergangs durch die Gassen der Burg, vorbei an Tempeln und Kühen, war sehr beschaulich.

Bald saß ich im drittletzten Zug dieser Reise und bewegte mich in Richtung Jodhpur. Die meiste Zeit war ich ganz allein in meinem Waggon. Durch das Fenster hindurch sah ich ein weiteres Mal die Sonne hinter der Wüste aufgehen.

Kurz nach Mittag erreichte ich Jodhpur, die blaue Stadt mit ihrer Burg, die wohl die imposanteste Rajasthans ist. Ihr Name ist Mehrangarh. Schon von weitem sah ich ihre hohen Mauern, als ich vom Bahnhof in Richtung Zentrum schritt und wieder einmal das Geschrei der Tuktukfahrer und der „My friend!“-Leute ignorierte.

Ein nettes Hotel war schnell gefunden und im Handumdrehen saß ich bei Thali, Bier und WLAN auf einer sonnigen Dachterasse mit guter Sicht auf die monumentalen Mauern von Mehrangarh. Sie waren schon zum Greifen nah. Doch erst morgen würde ich erkunden, was dahinter liegt. Der heutige Tag gehörte ein paar kleineren Sehenswürdigkeiten ganz in meiner Nähe.

Als erstes stieg ich hinauf zum Jaswant Thada, dem wunderschönen Marmormausoleum eines Maharajas von Jodhpur. Das weiß leuchtende Gebäude bietet wohl den richtigen Vorgeschmack auf das, was übermorgen kommt. Ruhig und friedlich an einem kleinen, blauen See zwischen den Felsen gelegen und von Ziergärten umsäumt, ist das Jaswant Thada ein guttuender Erholungsort nach dem aufdringlichen Treiben der Straße. Vögel fliegen zu den Türmen hinauf oder landen im See. Zwei Inder musizieren im Park. Einziger Wermutstropfen: der turbantragende Astrologe, der im linken Turm Menschen betrügt: „Instant Horoscope Designing, Predictions for life-time via email“. Seufz. Wie passend, dass ich heute im Zug Voltaires Meinung zur Astrologie gelesen habe. Er zerpflückt sie, bis nichts mehr bleibt und äußert den hoffnungsvollen Wunsch, dieser billige Hokuspokus möge doch mit seinem (dem 18.) Jahrhundert zu Ende gehen. Das war leider zu optimistisch gedacht.

Vorbei am einzigen Eingangstor der Burg stieg ich zurück hinab ins Gassengewirr der blauen Stadt. (Blau ist sie auf der Südseite der Burg nur zu fünfzehn bis zwanzig Prozent.) Es ist sehr leicht, sich hier zu verirren. Der Plan der Altstadt weist kaum rechte Winkel auf. Nachdem ich den belebten Sardar Markt mit seinem schönen Uhrturm gesehen hatte, drehte ich noch eine Runde um das Wasserbecken von Gulab Sagar. Sogar Tretboote gibt es hier. Wie sich wohl die Hindus hier bei den rituellen Waschungen fühlen, wenn plötzlich ein Touristentretboot an ihnen vorüberzieht?
Die nächste halbe Stunde verbrachte ich damit, mein Hotel wiederzufinden. Auf der Dachterrasse sah ich die Sonne hinter der Burg untergehen und aß später noch Pakora und ein gutes Paneer Chilly.

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