117 Delhi

Januar 10, 2015 at 5:16 pm (Indien&Nepal)

Ich nahm früh ein Tuktuk zum Bahnhof und stieg in den erstbesten Zug nach New Delhi.  Die Fahrt war schön, trotz Nebel und überfüllter General Class, schön der Nostalgie wegen. Alles geschah zum letzten Mal auf dieser Reise. Zum letzten Mal dem „Chai!Chai!Chai!“Mann seinen Tee abkaufen und dem Samosa Mann seine leckeren Samosi. Zum letzten Mal in diesen blauweißen Waggons sitzen. Zum letzten Mal die so unterschiedlichen Gesichter der Reisenden im Zug betrachten und sich fragen, welche Leben sie leben. Ich habe die vielen Zugfahrten in diesem Land wirklich genossen: Das Stehen bei voller Fahrt in den offenen Türen, die vorbeirauschende Landschaft, der bunte Reigen vorüberziehender Händler, Bettler und anderer Menschen, die weibliche Stimme am Bahnhof, immer dieselbe, die in Hindi und Englisch die Abfahrt der Züge kommentiert. All das hat mich, außer im zuglosen Nepal und Sikkim, die ganze Reise lang begleitet.

Gegen Mittag erreichte der Zug den Bahnhof New Delhi. Hier war ich also wieder, dreieinhalb Monate, nachdem ich in den ersten Zug dieser Reise nach Varanasi gestiegen war. Heiß war es gewesen. Nun war es kalt.

Schnell fand ich ein passables Hotel in der Nähe von Bahnhof und Metrostation. Wenig später saß ich in Sam’s Bar, am selben Tisch wie damals und aß Paneer Tikka Masala. Was tun mit diesen letzten Stunden Indien? Ich stieg in die Metro, fuhr bis zum Chandni Chowk im Herzen der Altstadt. Hier hatten die Mogulen einst ein paar Sikh-Heilige gefoltert und ermordet. Die Bilder dazu hatte ich in Amritsar gesehen. Vorbei am roten Fort wanderte ich durch vertraute Gassen bis zur Jama Masjid. Hier hatte meine Reise so richtig begonnen, mit jenem zweistündigen Gespräch, das ich mit dem skurrilen alten Möchtegernnobelpreisträger auf den Stufen der Moschee geführt hatte. Ich unternahm eine letzte Rikshafahrt zurück zur Metro. Diese Stadt ist so voller Menschen, dass sie mir schon nach einer Weile wieder zu anstrengend wurde. Ich floh zurück in mein Hotel. Und dann war der Tag auch schon vorbei.

Werde ich Indien wiedersehen? Ich hoffe doch. Es gibt hier doch noch einiges, das ich noch nicht gesehen habe. Auf Bihar, Jharkhand, Chhattisgarh und Andhra Pradesh kann man wohl verzichten, doch die nördlichen Provinzen Jammu & Kashmir, Himachal Pradesh und Uttarakhand sind auf jeden Fall eine Sommerreise wert. Blieben noch Gujarat und die entlegenen Nordostprovinzen. Vielleicht irgendwann einmal. Sonams Homestay im Glühwürmchenwald von Sikkim könnte mich auch einmal wieder locken, ebenso der Annapurna Circuit in Nepal. Und vielleicht im fortgeschrittenen Alter ein Wiedersehen mit Hampi, einem der schönsten Orte dieser Reise. Doch all dies liegt noch fern.

Hier sitze ich nun also nach vier Monaten Indien und blicke zurück auf eine schöne Reise. Ich wurde weder beraubt noch bedroht. Nie wurde es so richtig gefährlich. Abgesehen von einer anfänglichen Erkältung und einmal schlechtem Fisch war ich die ganze Reise lang gesund. Die guten Erinnerungen überwiegen mit Abstand. In knapp vier Monaten durchstreifte ich dieses Land von den südlichen Stränden bis zum Himalaya, von Kolkata bis zur westlichen Wüste. Es war heiß und kalt, trocken und feucht. Ich sah die Bauten ferner, jüngerer und jüngster Vergangenheit, erlebte eine fantastische Vielfalt von Kultur und Natur. Tempel, Burgen, Paläste habe ich erkundet, Museen durchwandert, Berge, Täler und Wälder voll Leben gesehen. Das war Indien. Das war Nepal. Das ist das Ende einer wunderbaren Reise.

Morgen früh werde ich die erste Metro zum Indira Gandhi International Airport nehmen und Indien verlassen. Doch noch geht es nicht nach Hause. Zuvor folgt noch das langersehnte Wiedersehen mit einer Fee und die gemeinsame Reise auf einem Fluss ins Herz eines gebirgigen Landes weit südöstlich von hier. Dort fand ich vor fünf Jahren einen paradiesischen Ort, den wir nun in Zweisamkeit besuchen werden. Wir freuen uns auf Luang Prabang am Ufer des Mekong. Doch dies ist eine andere Geschichte, zu der es gewiss keinen Bericht wie diesen geben wird.

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