Japan 4

Juli 10, 2017 at 1:17 pm (Aktuelles)

Kyoto ist sehenswert. Selten gibt es so eine schöne Dichte an Historie und Schönheit, an UNESCO-Weltkulturerbestätten (17) und Wohlfühloasen, an Natur und Kultur zugleich.

Es war ein langer Tag. Tempel für Tempel, Garten für Garten bahnte ich mir meinen Weg den östlichen Waldrand entlang nach Norden, zuerst durch südliche Higashiyama, dann durchs nördliche Higashiyama, dann hinauf in die Berge. Dabei sah ich und erlebte ich vieles. Die schönsten, sorgsamst verzierten, zierlichsten Gärten, die wohl auf der Welt zu finden sind, findet man in Kyoto, wo mancher schöne Shinto-Schrein oder manch buddhistischer Tempel von kunstfertigen Oasen, von Meisterwerken sowohl von Menschhand wie auch von natürlicher Entfaltung geschaffen, verborgen liegen. Vor allem die Gartenlandschaften von Shoren-in, Honen-in und Ginkaku-ji sind hier hervorzuheben. Schön sind aber auch jene Tempel, die durch ihre großen Hallen und imposanten Bauten beeindrucken, etwa Kiyomizu-dera, Chion-in, und Nanzen-ji. Letzterer bleibt mir in besonderer Erinnerung. Zum einen genoss ich dort allein in einem stillen Raum mit Blick auf einen kleinen Wasserfall eine Tasse hervorragenden grünschäumenden Tee. Man sitzt da, betrachtet den Lauf des Wassers und hat all die Zeit der Welt. Wandert man hinter Nanzen-ji ein Aquädukt entlang und dann kleines Tal hinein in die Wälder, so findet man schöne, alte Schreine und einen größeren Wasserfall unter den sich manch Mönch auch im eiskalten Winter gestellt haben soll.

Die vielen buddhistischen Tempel, die ich hier in Kyoto sah, wirkten auch in gewisser Weise wie alte Bekannte. In so vielen Ländern hatte ich schon buddhistische Tempel besucht und die verschiedenen Eigenarten lokaler Ausprägungen des Buddhismus kennengelernt. Gerne denke ich zurück an das nepalesische Lumbini, Buddhas Geburtsort mit seinen vielen Tempeln vieler Länder. Aber auch Sarnath und andere Orte Indiens, die tibetischen Bergklöster Sikkims, die großen Buddhas von Ayuthaya oder Sukothai in Thailand, die vielen beschaulichen Tempel von Laos und Kambodschas – all diese Stätten, die ich meist bei – wie heute sehr hohen Temperaturen – erkundet hatte, flammten mir im Gedächtnis auf.

Mittags aß ich hervorragende Soba-Nudeln. Entlang eines gurgelnden Bach schritt ich danach den sogenannten Philosophen-Pfad entlang zu den nächsten Tempeln und Gärten. Mancherorts herrschte viel Betrieb. Andere Tempel blieben von den Horden gemieden. Teils war ich ganz allein dort. Hoch über dem Ginkaku-ji erhebt sich der Berg von Daimon-ji Gozan. Etwa dreißig Minuten stieg ich den steilen, dichten Wald empor und erreichte dann einen kleinen überdachten Schrein, von wo ich eine wunderbare Aussicht über ganz Kyoto hatte. Ich wollte noch weiter, stieg weitere zwanzig Minuten hinauf zum Gipfel und konnte nun auch weit in Richtung Osten und Süden blicken, fast schon bis nach Osaka. Hier, vierhundert Höhenmeter über der Stadt in den Wäldern war der Blick ins Tal atemberaubend schön. Ich sollte ihn noch länger genießen, als mir lieb war. Am Weg abwärts hörte ich schon bald das Nahen eines Gewitters. Und dann sah ich auch schon wie ein dunkler Regenschleier über der Stadt lag und sich langsam in meine Richtung bewegte. Gerade noch rechtzeitig erreichte ich den überdachten Schrein am Aussichtspunkt. Hier – gemeinsam mit fünf Japanern – brachte ich mehr als eine Stunde lang zu – kämpfte mit dem teils waagrecht einfallendem Regen und bewunderte Blitze, Donner und wandernde Wolkenmassen. Nur wenige so schöne Gewitter habe ich in voller Länge bestaunen können. Schön wars.

Sehr viel später schritt ich talwärts, fuhr mit dem Bus ins Zentrum der Stadt, wo ich die schöne, restaurantreiche Gasse von Ponto-cho durchschritt und auf ein gutes Mahl eingekehrte. Sehr müde aber froh erreichte ich meine Bleibe.

 

 

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