Japan 6

Juli 11, 2017 at 1:05 pm (Aktuelles)

Dieser Tag begann mit Theater. Per Bahn fuhr ich nach Osaka, welches nur dreißig Minuten entfernt liegt und doch nach Tokyo und Yokohama die drittgrößte Stadt Japans ist. Im südlichen Stadtteil von Dotombori enstieg ich der U-Bahn. Schon die Station selbst war eine Attraktion. Neben unzähligen Shops und Restaurants gab es da etwa auch eine Kunstgalerie mit Nachbildungen franzödischer Meister wie Renoir und Monet. Ich staunte.

Wieder oberirdisch stand ich schon bald vor der wunderschönen, hoch aufragenden Fassade des Shochiku-za Theaters. Hier erwarteten mich fast vier Stunden Kabuki-Theater. Unter den vielen Formen traditionellen japanischen Theaters (Kabuki, Rakugo, Bunraku und Noh) ist Kabuki mit seinen schönen Bühnenbildern und seinen prächtigen Kostümen die wohl bekannteste. Schön war es. Ich verstand zwar sehr wenig (höchstens ein paar gelegentliche „Arigatos“ aber die Ausdrucksstärke der Spieler, die andauernde Untermalung mit traditioneller Musik und die durchdachte Bühnentechnik  waren beeindruckend genug. Hier kann man sich einiges abschauen. Bei Kabuki stehen übriges nur Männer auf der Bühne. Zwar wurde diese Form des Theaters von Frauen erfunden, jedoch dachte die Machthaber des späten siebzehnten Jahrhunderts, dass Frauen auf der Bühne zu Aufruhr und Chaos führen. Seither werden bei Kabuki alle Rollen von Männern gespielt.

Erst letzten Herbst hatte ich mit meinen students im Theaterunterricht der ISK einiges über Kabuki recherchiert, was mir nun sehr zugunsten kam. Die Bedeutung so mancher Symbolik auf der Bühne erschließt sich erst mit ein wenig Vorwissen.

In den zwei Pausen der Performance verköstigte ich mich am Buffett. Und auch nach dem Theater ging es kulinarisch auf hohem Niveau weiter. (Auch das Frühstück war schon vorzüglich gewesen: heiße Matcha-Waffel. Hmmmm. Und so grün.) Osaka ist berühmt für seine hervorragende Küche. Im bunten Szene-Viertel von Dotombori gönnte ich mir ein hervorragendes Okonomiyaki. Diese Spezialität der Region – eine Art Pfannkuchen gefüllt mit Fisch oder Fleisch – wird vor den Augen der Gäste mit viel Show zubeteitete. Gekonnt spritze der Kellner in hoher Parabel noch Sauce über das vor mir liegende Gericht. Köstlich.

Ich verbrachte den restlichen Nachmittag mit gemütlichem Schlendern entlang dem Dotombori Kanal, durch die überdachte, prallgefüllte Einkaufsstraße Shinsaibashi-suji und durch das beschauliche Viertel Amerika-mura mit seiner Straßenkunst. Vor allem die Laternen in Strichmännchengestalt bleiben in Erinnerung. Als es dämmerte und all die vielen Lichter, Monitore und Leuchtreklamen von Dotombori viel stärker zur Geltung kamen, wurde das Viertel noch spannender und offenbarte einen Hauch von Science-fiction.

Ein kleines Kamera-Team eines japanischen Senders fragte mich im Vorbeigehen um ein Interview. Sie stellten Fragen zu meinen Reiseerfahrungen und Erlebnissen in ihrem Land. Wahrheitsgemäß lobte ich Küche, Landschaft und Infrastruktur. Es ist schön, hier zu reisen.

Mit Regionalzügen kehrte ich zurück nach Kyoto. Eine Bento-Box mit bestem Sushi aus Dotombori leistete mir Gesellschaft. Die Heimfahrt zog sich. Der Andrang auf die Züge am großen Bahnhof von Osaka war beträchtlich. Man kann nur froh sein, hier nicht zur Arbeit pendeln zu müssen.

Morgen stand ein viel weiteter Ausflug bevor. Doch der würde zugtechnisch viel abgenehmer sein. Ich freute mich schon auf den Shinkansen.

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