Japan 12

Juli 16, 2017 at 1:02 pm (Aktuelles)

Ein letzter voller Tag in Tokio stand bevor. Nach dem Frühstück suchte ich den mir schon bekannten Ueno Park auf, um hier doch noch das Nationalmuseum zu besuchen. Vier Stunden verbrachte ich dort. Die Ausstellungen in den verschiedenen Gebäuden waren allesamt hervorragend. Der Audioguide begleitete mich durch die verschiedenen Perioden japanischer Geschichte. So bestaunte ich die Kunstschätze von Jomon- Yayoi-, Kofun- Nara-, Heian- Kamakura-, Muromachi- und Edo-Periode und tauchte ein in das Leben der Menschen von einst. Spannend war auch immer der Vergleich zur jeweils herrschenden Dynastie im chinesischen Kaiserreich. Genauso faszinierend wie die japanischen Kunstschätze fand ich die große Sammlung kontinentalasiatischer Kunst. Vor allem die Exponate aus Indien, Nepal oder Kambodscha weckten in mir Erinnerungen an manches, das ich in diesen Ländern erlebt und gesehen hatte.

Am Nachmittag suchte ich die weitläufigen Hama-rikyu Gärten auf, ehemals im Besitz des mächtigen Shoguns Tokugawa. Sein Grab hatte ich auch schon besucht. Die Gärten haben zwar nichts gemein mit den schönen Ziergärten, wie ich sie in Kyoto gesehen hatte, bieten aber viel Grün und Raum für Erholung im Häusermeer der Stadt.  Über den Bäumen sieht stets hochaufragende Wolkenkratzer. Man kann hier lange sitzen, Schiffen und Vögeln zusehen, die Teiche und kleinen Wasserläufe betrachten oder in ein Handy die Erinnerungen einer bald zuendegehenden Reise tippen. Ein kleines Teehaus lädt zur Erfrischung ein. Riesige Rabenvögel beherrschen den Park.

Nach ein bisschen Ruhe spazierte ich abends zum großen Hauptbahnhof von Tokyo. Irgendwie war es mir gelungen, diesen noch nie zu betreten. Auf dem Weg dorthin durchschritt ich den belebten Stadtteil Ginza, voll mit teuren Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten. Die Chuo-Dori – so heißt die Hauptstraße, die diesen Stadtteil durchzieht, wird an Wochenendnachmittagen zur breiten Fußgängerzone, allerdings nur bis 18:00 Uhr. Die Turmuhr auf dem Seiko-Gebäude schlug eben diese Zeit, als ich hier vorbei schritt. Interessant war es den Verkehrspolizisten dabei zuzusehen, wie sie mit fester Entschlossenheit und lautem Pfeifen alle Fußgänger*innen auf die Gehsteige schaufelten, sodass Fahrzeuge erneut passieren konnten.

Der Hauptbahnhof von Tokyo besteht aus verschiedenen Gebäuden. Auf der Ostseite dominieren zwei moderne Glastürme, auf der Westseite aber findet man einen wunderschönen, altehrwürdigen Backsteinbau, der wie ein Fremdkörper im umliegenden Meer der Wolkenkratzer wirkt. Es ist gar nicht so leicht, ohne Ticket von der einen Seite auf die andere zu gelangen. Man muss durch allerlei unterirdische, mit Shops und Restaurants prall gefüllte Korridore wandern. Doch es gelang. Ich unterquerte alle Schienen und stand schließlich im schönen, historischen Altbau. Hier war es auch, dass ich meinen letzten Abend in Japan mit einer großen Portion Sushi krönte, einmal mehr erstaunt darüber, welch in Europa unauffindbaren Sortenreichtum es hier gibt.

Als ich später am Platz vor dem Marunouchi-Gebäude – dem alten West-Teil des Bahnhofs stand, brach plötzlich ein heftiger Wolkenbruch herein. Ich wurde Zeuge, wie an die dreihundert Menschen gleichzeitig –  manche kreischend –  auf den kleinen, zentralen Eingang zustürmten. Hier musste ich eine Weile ausharren, da der Zentraleingang keine fahrkartenlos passierbare Verbindung zu den unterirdischen Gängen hat, die mich zurück auf die Ostseite bringen würden.

Nach einem letzten Spaziergang durch die Straßen von Ginza sitze ich nun wieder in meinem Hotel. Interessant ist der Gedanke, dass die zehn bis fünfzehn Schritte, die ich morgen vom Hoteleingang zum U-Bahn-Abgang zurücklegen werde, wohl meine letzten Schritte in Japan unter freiem Himmel sein werden. Der Rest der Reise bis zum Boarding des Fliegers würde drinnen oder unterirdisch ablaufen. Ich hatte ursprünglich geplant, morgen früh aufzustehen und vor der Abreise noch den nahen Fischmarkt, den Tsukiji Market zu besuchen. Doch morgen wird es leider keinen Markt geben. Der dritte Montag im Juli ist in Japan ein Feiertag –  der Tag des Meeres. Ich werde also wohl doch direkt zum Flughafen aufbrechen. Ich freue mich schon wieder auf das Überfliegen Sibiriens. Ob ich Ob, Jenissei und Amur noch einmal sehen werde? Vielleicht diesmal auch die Lena und sonst allerhand.

So geht eine Reise zu Ende. In der kurzen Zeit habe ich doch ein bisschen etwas von Japan gesehen. Ich bin vielleicht nicht zum letzten Mal hier gewesen. Ein sehr positiver Eindruck bleibt bestehen.

Wer immer dies liest und Gefallen daran gefunden hat: ich verweise auf meine Reiseberichte zur indischen Reisen von 2014 (über 100 Tage) und zur südostasiatischen Reise von 2009 (sechs Wochen). Beides sollte sich hier irgendwo finden.

Jetzt freue ich mich auf zu Hause. Doch lange werde ich dort nicht bleiben. Dieser Sommer birgt für mich noch eine zweite Reise. Meine Dame und ich freuen uns schon auf Bella Italia, auf Roma, Orvieto, Firenze und Ravenna. Doch zu dieser Reise wird es keine langen Berichte geben. Da wollen wir einfach nur für uns selber sein.

Das war’s. Mehr habe ich zu meiner japanischen Reise nicht zu sagen. (Es sei denn morgen passiert noch etwas Außergewöhnliches – aber ich denke nicht.)

Bye, bye Tokyo.

I’m coming home.

Arigatu gozaimasu.





 

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